Berlin : Israel ehrt Berliner, die Juden retteten

Es war der 27. Januar 1943 als der damals 17-jährige Eugen Herman-Friede die elterliche Wohnung am heutigen Mehringdamm verlassen musste. Er war in der nationalsozialistischen Diktatur sogenannter „Voll-Jude“. Nach der Arbeit auf einem jüdischen Friedhof tauchte er unter: „Ein Gestapo-Mitarbeiter riss mir meinen Judenstern ab, da war mir und meinen Eltern klar, dass ich untertauchen muss.“ Im August 1943 fand er für neun Monate ein Versteck bei Hans und Frida Winkler in Luckenwalde. Die ganze Familie war eingeweiht: Die Tochter Ruth hielt in der Schule dicht und von Sohn Horst lieh sich der 17-Jährige für abendliche Spaziergänge die HJ-Uniform.

Für ihre Hilfsbereitschaft wurde das inzwischen verstorbene Ehepaar am Mittwoch von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem mit dem Titel „Gerechte unter den Völkern“ geehrt. „Tante Frida war eine herzensgute Frau, eine Heilige für mich, und die Pläne von Onkel Hans fand ich toll“, sagt der 81-jährige Eugen Herman-Friede, der heute in Kronberg im Taunus lebt.

Die Auszeichnung wird seit 1953 an Nichtjuden vergeben, die unter Einsatz ihres Lebens jüdischen Verfolgten halfen. Wie Frida Winkler, die sich in der Zwei-Zimmer-Wohnung vorwiegend um die Kinder kümmerte und den Justizangestellten Hans Winkler: Er leitete die rund 30-köpfige Widerstandsgruppe „Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“. Die Mitglieder, zu denen später auch Eugen Herman-Friede zählte, verteilten Flugblätter gegen das Regime. 1944 wurde die Gruppe von der Gestapo entdeckt. Die Mitglieder wurden verhaftet, überlebten aber fast alle den Krieg. Bei der Ehrung dabei war auch die Tochter Ruth Winkler-Kühne. Für ihre verstorbenen Eltern nahm sie die Urkunde und Medaille entgegen. Ihre Namen sind auch auf der Memorial-Wall im „Garten der Gerechten“ in Jad Vaschem verewigt. fbo

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