Berlin : Israelische Botschaft: 2000 Gäste müssen durch eine enge Schleuse

Alexander Pajevic,Werner Schmidt

Der Einzug war zwar schon im vergangenen Dezember, doch heute Abend soll der israelische Botschaftsneubau in Berlin offiziell eingeweiht werden. Ein symbolträchtiger Augenblick in den deutsch-israelischen Beziehungen, und so hat sich niemand Geringeres als Shimon Peres, stellvertretender Ministerpräsident und Außenminister Israels, dafür auf den Weg in die deutsche Hauptstadt gemacht. Rund 2000 Gäste werden erwartet, was das Protokoll und insbesondere die Sicherheitsbehörden vor große Aufgaben stellt. Die aktuelle Lage in Nahost und der Besuch eines hohen Vertreters des israelischen Staates machen besondere Maßnahmen nötig.

Für die Berliner Polizei gilt nicht nur wegen des Besuchs von Peres Sicherheitsstufe 1. Auch für die Botschaftseröffnung wurde Großalarm gegeben, obwohl es gestern Nachmittag im Bereich zwischen Auguste-Viktoria- und Reinerzstraße in Grunewald vergleichsweise gemütlich zuging. Zwei Wachpolizisten außerhalb des Botschaftsgebäudes gaben zu, dass sie in das weitreichende Sicherheitskonzept nicht eingebunden sind. Ein Räumpanzer der Polizei stand am Straßenrand, rot-weiße Absperrgitter lagerten in der unmittelbaren Nähe der Botschaft.

Von heute Mittag 12 Uhr an besteht absolutes Halteverbot in einem Umkreis von schätzungsweise 300 Meter um die Botschaft, auf deren Gelände gestern Handwerker letzte Hand anlegten, und die Festzelte aufgebaut wurden. Derweil trieben die Getränkelieferanten schlechte Scherze mit dem hohen Sicherheitsaufwand. Während sie Orangensaft- und Wasserkisten vom Transporter am Straßenrand auf Paletten luden, sagte einer von ihnen: "Und die Bombe - nicht vergessen". Er seine beiden Kollegen wollte sich fast zerreißen vor Lachen.

Während der heutigen Botschaftseröffnung werden die Zufahrtsstraßen für alle, die dort nichts zu suchen haben, gesperrt. Da es sich um ruhige Nebenstraßen handelt, rechnet die Polizei nicht damit, dass es deswegen zu erheblichen Verkehrsbehinderungen kommen wird. Sie hat die Anwohner bereits vor Tagen mit Flugblättern auf die bevorstehenden Sicherheitsvorkehrungen hingewiesen.

"Wir geben uns alle Mühe - in bester Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden - , damit unsere Gäste und unsere Nachbarn hier in Grunewald einen schönen Abend haben werden", sagt Yuval Fuchs, Pressesprecher der Botschaft.

Als vor drei Jahren die israelischen Pläne bekannt wurden, von der nur unweit gelegenen Schinkelstraße in die Auguste-Viktoria-Straße umzuziehen - gegenüber einer Adresse in Mitte eine reine Kostenfrage - hatte es von Seiten einiger Anwohner Bedenken wegen der eigenen Sicherheit gegeben. Laut Fuchs sind diese jedoch heute kein Thema mehr: "Seitdem wir im Dezember eingezogen sind,leben wir in guter Nachbarschaft." Tatsächlich wurden die Anwohner auch für heute Abend eingeladen.

Auf dem Grundstück an der Auguste-Viktoria-Straße Ecke Reinerzstraße ist nach einem Entwurf der israelischen Architektin Orit Willenberg-Giladi ein expressionistischer Neubau entstanden, der in Farbe und Material mit der umgebauten Residenz des Botschafters harmoniert. Die 1929/30 erbaute Villa gehörte einst dem jüdischen Kommerzienrat Herrmann Schöndorff und wurde nach dem Krieg das Oberlin-Seminar des Diakonischen Werks.

In dem Entwurf wurde trotz aller Sicherheitsmaßnahmen, die eine Botschaft - und besonders eine israelische - erfordern, das Konzept eines "offenen Hauses" verfolgt. So ist das weitläufige, etwa 9000 Quadratmeter große Grundstück von der Straße durch einen transparenten Sicherheitszaun einsehbar. In der Fassade des Neubaus wurde viel Glas verwendet, um die erwünschte Transparenz nach außen zu symbolisieren. Der Zugang erfolgt jedoch nur durch eine separate Sicherheitsschleuse. Diesen Weg müssen auch die für heute Abend geladenenen rund 2000 Gäste beschreiten.

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