Israelischer Pressesprecher : Von Wedding an den Gazastreifen

Einst machte er die Weddinger Straßen unsicher und sprühte Grafitti im Kiez. Heute ist Arye Shariz Shalicar Pressesprecher der israelischen Armee.

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Arye Sharuz Shalicar
Arye Sharuz ShalicarFoto: picture alliance / dpa

Er ist das Gesicht der israelischen Armee im Gazakonflikt: Arye Sharuz Shalicar ist Pressesprecher der israelischen Armee und steht derzeit fast täglich in Leutnantsuniform vor Kameras und Mikrofonen, um die Bodenoffensive im Gazastreifen zu verteidigen.

Dabei gab es eine Zeit, als sich der gebürtige Deutsch-Iraner nicht als Israeli verstand – sondern als Weddinger. Shalicar zog 1979, im Alter von zwölf Jahren, mit seiner Familie von Spandau nach Wedding. Dort erlebte er zum ersten Mal Anfeindungen von muslimischen Jugendlichen wegen seines jüdischen Hintergrunds, etwa, als er mit einer Davidsstern-Kette in die Schule kam. Um sich zu schützen, schloss er sich der Straßengang „Berlin Crime“ an. Dort machte er sich einen Namen als Graffitisprayer und knüpfte Freundschaften mit Protagonisten der Berliner Rapszene, wie etwa „Frauenarzt“ oder „Manny Marc“, die heute als „Die Atzen“ auf Mallorca unterwegs sind.

Irgendwann wurde es Shalicar trotzdem zu brenzlig in Wedding. Wegen der angespannten Stimmung zwischen den Gangs ging er schließlich nur noch mit Schlagring und Messer in der Tasche auf die Straße. „Es wäre nur eine Frage der Zeit gewesen, bis irgendetwas Dramatisches passiert wäre“, sagte er vergangenes Jahr im Interview mit dem "Wedding-Blog" des Tagesspiegels, in dem er auch über seine Autobiografie „Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude“ sprach.

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Nach dem Abitur ging Shalicar zur Bundeswehr, wo er zum ersten Mal den Abstand fand, sein Leben, seine Erfahrungen, seine Identität zu reflektieren. Er entschied sich für eine Zukunft in Israel. 2001 wanderte er aus und studierte Internationale Beziehungen und European Studies. „Heute bin ich Offizier der israelischen Armee und erzähle den jungen Rekruten gerne, dass ich stolz darauf bin, auch die deutsche Uniform getragen zu haben.“ Doch wenn er heute nach Wedding zurückkommt, fühlt er sich mulmig: „Einige meiner Bekannten sind mittlerweile islamistisch sehr tief abgerutscht.“

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