Berlin : Ist der Bademeister krank, macht das Schwimmbad zu

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Bei der Personallage steht den Bäderbetrieben das Wasser offenbar bis zum Hals. Erst kürzlich mussten sämtliche Badegäste das Schöneberger Stadtbad verlassen – ein Bademeister war plötzlich erkrankt, und eine Vertretung war so schnell nicht zu finden. Erst eine halbe Stunde später durften sich die Schwimmer erneut umziehen. Doch nicht nur beim den Mitarbeitern, auch bei Hygiene und Service müssen die Berliner Badbetreiber auf Kosten der Besucher sparen: Gäste des Kreuzberger Prinzenbades beispielsweise beschweren sich zunehmend über dreckige Duschen, Umkleiden und darüber, dass es noch nicht einmal mehr Schlüssel für Schränke gebe. Unterdessen versuchen die Bäderbetriebe, die Schlangen an den Kassen bei gutem Wetter mithilfe zusätzlicher mobiler Ticketverkäufer zu verkürzen.

Ein Leser aus Schöneberg hatte sich enttäuscht an den Tagesspiegel gewandt. „Ich wollte meinen Feierabend im Bad verbringen und habe mir für vier Euro eine Tageskarte gekauft, und dann musste ich schon wieder raus.“ Eine Entschädigung für die enttäuschten Schwimmer habe es nicht gegeben – und das, obwohl doch inzwischen der Eintritt teurer geworden sei. „Unser Personal ist knapp“, sagt Bäder-Sprecher Manfred Radermacher. Wenn Mitarbeiter kurzfristig krank werden, könne es schon mal zu Engpässen kommen. „Wir können kurzfristig nur sehr schwer disponieren.“

Wegen gestrichener Zuschüsse müssen die Bäderbetriebe Kosten sparen. Mit elf geschlossenen Bädern ging es los, beim Personal geht es weiter. Während in den vergangenen Jahren Im Sommer rund 250 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt wurden, sind es in diesem Jahr nur etwa 100. So einen Zwischenfall wie in Schöneberg kann Bäder-Vorstand Klaus Lipinsky auch für die kommenden Wochen nicht ausschließen. Doch um die „Wartezeiten zu verkürzen, haben wir jetzt ein fünfköpfiges Einsatzteam eingerichtet“. Fünf Mitarbeiter aus dem Sport- und Erlebniszentrum an der Landsberger Allee, das wegen Wartungsarbeiten zur Zeit geschlossen ist, verkaufen in jenen Bädern, vor denen besonders viele Besucher warten, an alle, die das Eintrittsgeld passend haben, ein Ticket. Schon am Mittwoch wurden sie eingesetzt, in Pankow etwa im Neuköllner Sommerbad und im Freibad am Olympiastadion.

Bei der Sauberkeit appelliert Lipinsky an die Besucher. Geputzt werde morgens. Wenn Leute mit Straßenschuhen in die Duschen gingen, könne es passieren, dass der Boden am nachmittag schlammig ist. „Die Leute wollen ja auch nicht, dass wir ihnen zwischen den Füßen herumwischen.“ akl

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