Berlin : Ist KPM-Porzellan noch zu kitten?

EVA-MARIA VOCHAZER

Rettungskonzept für die Manufaktur: Investorensuche und effizientere ProduktionVON EVA-MARIA VOCHAZER BERLIN.Die KPM - ein Scherbenhaufen.Das Eigenkapital der Königlichen Porzellan-Manufaktur ist aufgebraucht, denn die allgemeine Krise der Branche hat auch die 1763 gegründete Manufaktur voll erfaßt.Zur Rettung des Traditionsbetriebes haben die Senatsverwaltungen für Wirtschaft und Stadtentwicklung, die KPM, der Bezirk Charlottenburg und die Denkmalpflege jetzt im Rahmen des "Planwerks Innenstadt" einen Grundstücksentwicklungsplan vorgelegt.Kernstücke: Öffnung des KPM-Geländes am Tiergartenrand für Besucher, Konzentration der verstreuten Produktionsstätten und Bau von Wohnungen, Büros und einem Hotel. "Unser Ziel ist es, die KPM langfristig als Berliner Markenzeichen zu erhalten", sagte Wirtschaftsstaatssekretär Dieter Ernst.Die Eigenkapitaldecke der Porzellanmanufaktur, die 1988 zur GmbH umgewandelt wurde und zu hundert Prozent dem Senat gehört, ist aufgebraucht.Die Summe der Verluste, die die KPM im vergangenen Jahr machte, wollte Ernst nicht nennen.Investitionen aus dem Landeshaushalt für die KPM werde es nicht geben.Zur Zeit arbeiten 250 Mitarbeiter in der Manufaktur."Die zentrale Frage lautet: Wie erreichen wir ein Konzept für die KPM, mit dem sie am derzeitigen Standort wirtschaftlich arbeiten kann?" faßte Bernd Lietzau, Leiter des Koordinationsausschusses in der Abteilung Investitionen der Wirtschaftsverwaltung, zusammen.In Auftrag von Stadtentwicklungsstaatsekretär Hans Stimmann erstellte der Architekt Manfred Ortner jetzt ein Grundstücksentwicklungskonzept für das 36 000 Quadratmeter große KPM-Gelände.16 000 Quadratmeter will die Porzellanmanufaktur selbst nutzen. Eines der Hauptprobleme der KPM sind die langen Wege zwischen den einzelnen Produktionsstätten."Es kann vorkommen, daß ein Teller bei uns vier Kilometer zurücklegt", bestätigte Jens Buchmann, Leiter der Betriebswirtschaft.Ein großer Teil der Produktion soll nach dem neuen Konzept in die seit 27 Jahren leerstehende Mendheim-Ofenhalle verlagert werden.Dort sollen die Brennöfen künftig mit dem kostengünstigeren Gas betrieben werden.Zur Zeit wird bei der KPM noch elektrisch geheizt. In den historischen Gebäuden neben der Mendheim-Ofenhalle sollen Besucher künftig alte und neue Stätten der Porzellanherstellung besichtigen können, darunter eine originalerhaltene historische Ofenanlage.Biergarten und Restaurant können dazukommen.An der Englischen Straße sollen Büroflächen entstehen.Dazu ist Wohnungsbau im nordöstlichen Bereich geplant.Von einem Mittelklasse-Hotel hinter dem Haus des Deutschen Städtetages an der Straße des 17.Juni verspricht sich Bernd Lietzau "wichtige Synergie-Effekte." Wie hoch die Kosten für den Umbau der Mendheim-Halle sind, konnte Lietzau noch nicht sagen.Erste Gespräche mit Investoren für das neue "KPM-Quartier" sind bereits gelaufen."Wir wollen vor allem einen Diskussionsprozeß in Gang setzen, denn die Zeit drängt", sagte Lietzau.

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