Berlin : Ja, gut...

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Von Bernd Matthies

Ja, Sie erwarten hier Substanz. Drei Schmunzler, zwei bis drei Grinser und einen Kracher zum Ablachen, Minimum. Aber wie soll das gehen, wenn nur eine Viertelstunde Zeit zum Ausdenken ist – jene Viertelstunde zwischen der ersten und der zweiten Halbzeit? Gestern haben wir zum ersten Mal klar gesehen, welch tiefen Einschnitt uns die Fußball-WM zufügt. Eine große, weite Leere tut sich vor uns auf. Mal ein paar Schritte zum Fernseher, und ist vielleicht Post gekommen? Nein, die Post streikt gerade passend, und das Telefaxgerät? „Energie sparen“, teilt es uns schläfrig über seine Anzeige mit. Ein Land ist zum Stillstand gekommen.

Rufen wir einen verlässlichen Informanten an, einen, der nie krank ist, immer an seinem Platz sitzt und für jeden Schwatz zu haben ist. Nein, sagt die Sekretärin, Herr X sei gerade in einer Besprechung, so bis etwa halb vier, schätzungsweise. Schätzungsweise? Von wegen. Es wird genau halb vier, und dann ist für uns alles zu spät.

Noch mal ein Blick auf den Fernseher. Autsch! Das Ausgleichstor. 15 Uhr 18, der Abpfiff. Wie konnte das passieren? „Ja gut“, sagt Ramelow, und da läge ja ein Glossenthema drin, aber nun ist Schluss für heute, Redaktionsschluss auch. Wo bleibt der Text? Ach ja, der Text.

Und deshalb heute, tut uns leid, keine Schmunzler, Grinser, Ablacher. Es ist Fußball, Sie haben es so gewollt. Vielleicht morgen wieder, wenn Mazedonien gegen Lettland spielt oder Malta gegen Ralph Sie... Halt! Das ist doch Unsinn! Egal. Irgendwann muss Schluss sein mit Schreiben, nicht wahr?

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