Berlin : Ja, ich will!

Andreas Conrad

träumt von einer neuen deutschen Thronfolger-Hochzeit Das Geschäft lief schlecht auf dem Winterfeldtmarkt. Sonnabends um zehn ist sonst kein Durchkommen dort, gestern langweilten sich die Gemüsefrauen nur und hatten auch schon zwei Schuldige parat, die ihnen die Käufer von Kartoffeln, Zwiebeln, Möhren fernhielten: diesen Felipe und seine Letizia. Selbst in anerkannt demokratischen Zeitungsredaktionen rotteten sich verkappte Royalisten und nicht nur sie zur Hochzeitsschau vor dem Fernseher zusammen, und hier und da im Lande des Bundesadlers werden wohl wieder längst vergessene Gesänge angestimmt worden sein: „Wir woll’n unsern alten Kaiser Wilhelm wieder ham.“ Tja, das hätte man sich früher überlegen sollen, damals im November 1918. Noch länger muss man zurückgehen, besinnt man sich unserer letzten Thronfolger-Hochzeit: Am 6.Juni 1905 gaben sich Kronprinz Wilhelm und seine Cecilie, Herzogin von Mecklenburg-Schwerin, das Jawort – Höhepunkt einer mehrtägigen Feier, schon damals ein gesellschaftliches Großereignis allererster Güte. Man sage also nicht, wir seien, anders als Dänen und Spanier, zu monarchistischer Verzückung nicht fähig. Und es ist ja auch nicht so, dass uns hier gar nichts geboten würde. Ist nicht so ein Bundespräsident ein bisschen wie ein Kaiser in neuen Kleidern? Mit dem prosaischen Umstand, dass er seine Weihen nicht länger durch Vorsehung und Erbe bezieht, sondern durch eine vom Gezänk der Parteien überschattete Wahl. Wahlmänner mit fleckenhafter Vergangenheit? Spielt in einer Erbmonarchie garantiert keine Rolle.

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