Berlin : „Ja, mach’ nur einen Plan“

Brandauer will die Dreigroschenoper im Admiralspalast inszenieren – doch der ist noch eine Baustelle

Marius Meller

Ein verschmitzter Journalist trällert in schönster Vorfrühlingssonne auf dem Weg in den Admiralspalast einen Gassenhauer von 1928: „Ja mach’ nur einen Plan / Und sei ein großes Licht / Dann mach’ ruhig noch ’nen zweiten Plan / Geh’n tun se beide nicht...“ Die Strophe aus der berühmten „Ballade von der Unzulänglichkeit des Menschen“ aus der „Dreigroschenoper“ drückt die Skepsis angesichts des enormen Marketingaufwands ganz gut aus, mit dem Klaus Maria Brandauer sein „Dreigroschenoper“-Projekt zur Neueröffnung des Admiralspalasts in der Friedrichstraße präsentierte. Im eiskalten, noch ziemlich unfertigen Bühnensaal sitzen zwischen Zementsäcken und Verschalungsrohren gut hundert Journalisten. Ein beachtliches Aufgebot von Fotografen lässt bei Ankunft von Meister Brandauer vor einer riesigen Plakatwand mit dem Logo des Projekts ein Blitzlichtgewitter auf das vorerst versteinerte Gesicht des Schauspielers prasseln. Und so etwas gehört auch dazu: Sponsoren, Produzenten, Architekten, Begleitbuchschreiber – jeder hat einen Sermon parat.

Aber warum eigentlich diese miesepetrige Stimmung unter all den Medienmenschen? Die Dame von einer Illustrierten auf dem Nebenplatz findet das Brecht-Singspiel eine „olle Kamelle“ und die Besetzung „wahllos zusammengekauft“. Vielleicht ist der Medienmeute einfach nur kalt? Die „Dreigroschenoper“ ist schließlich ein Klassiker und neben „Zauberflöte“ und „Don Giovanni“ die erfolgreichste deutsche Oper, und wenn man sie nicht ganz verhunzt, wird sie auch zum Selbstläufer. Zudem wartet Regisseur Brandauer mit Starbesetzung auf, die sich doch auch synergetisch zusammenfinden könnte: Gottfried John, Maria Happel, Katrin Sass und Walter Schmidinger werden in dem Stück zu sehen sein, das am 11. August Premiere haben soll – nur knappe fünfhundert Meter vom Theater am Schiffbauerdamm, wo es am 31. August 1928 noch unter dem Titel „Die Ludenoper“ uraufgeführt wurde. Die legendäre Hauptrolle des Mackie Messer wird Tote-Hosen-Frontman Campino übernehmen, in dessen schauspielerische Qualitäten Brandauer „großes Vertrauen“ hat. Bei diesem Satz sieht man allerorten gerunzelte Stirnen. Aber die „Dreigroschenoper“ ist – wie auch Mozarts „Zauberflöte“, die von Kurt Weills genialer Musik ab und zu zitiert wird, ein Singspiel, oder „Song-Spiel“, wie man heute ab und zu sagt. Das heißt, Schauspieler-Laien und singende Dilettanten sind besetzungsmäßig durchaus erwünscht. Sogar von Bertolt Brecht höchstpersönlich ist eine Aufnahme mit dem Haifisch-Song überliefert.

Brandauer selbst macht sich ein bisschen lustig über das pompöse Marketing. „Theater und Marketing“ – das gehe eigentlich nicht zusammen, denn „Theater findet zwischen acht und zehn statt, überzeugen Sie sich selbst!“ Man darf trotz der vielleicht übertriebenen Werbetrommeln gespannt sein auf diese „Dreigroschenoper“, die in den unzähligen Veranstaltungen des Brechtjahres und mit einer Premiere drei Tage vor dem 50. Todestag Bertolt Brechts gewiss einen prominenten Platz einnehmen wird. Vorausgesetzt, der Admiralspalast wird rechtzeitig fertig – die Bauarbeiten sollten eigentlich im April beendet sein. Ansonsten müssen die Brecht- und Brandauer-Freunde sich die „Ballade von der Unzugänglichkeit des Menschen“ vorsummen: „... Denn für dieses Leben / Ist der Mensch nicht gut genug / Darum hau’ ihn eben / Einfach auf den Hut.“

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