Berlin : Jäger und Sammler

Kaum ist die Lagerfeld-Kollektion bei H&M verkauft, gibt es die ersten Teile bei Ebay

Judith Jenner

Fünf Minuten entschieden gestern bei H&M über mein oder nicht mein. Denn im Handumdrehen waren die meisten Teile der Lagerfeld-Kollektion ausverkauft. Mit Öffnung der Läden um 10 Uhr begann die Schlacht am Kleiderständer – ohne Rücksicht auf Verluste.

In der Filiale an der Friedrichstraße Ecke Französische Straße stehen Jana, 27, und ihre Freundin Sandra, 23. „Die Tunika mit weißem Kragen soll es sein“, sagt Jana, das erste Designerstück (39,90 Euro) im Kleiderschrank der Studentin. Die Schlange an der Umkleidekabine ist schon um kurz nach zehn so lang, dass Hemden spontan zwischen den Kleiderständern anprobiert oder auf gut Glück gekauft werden. „Die Hälfte der Sachen ist für meine Schwester“, entschuldigt sich eine Kundin mit zwei prall gefüllten Riesentüten, die extra für den Lagerfeld-Verkauf hergestellt wurden.

Zwischen erbittertem Kampf und weiblicher Solidarität ist hier alles drin. Und wer dachte, dass sich Männer in Zurückhaltung üben, wenn’s um Designerklamotten geht, der wird hier eines Besseren belehrt. „Mir geht es nur ums Label“, gibt der 26-jährige Daniel zu, der ein schwarzes Sakko (99,90 Euro) anprobiert. Einige männliche Lagerfeld-Fans haben ihre Freundinnen vorgeschickt. Aufgeregt plappert eine Frau ins Handy: „Ich habe nur noch ein weißes Hemd ergattert. Die gestreiften sind schon weg. Nicht zu glauben,was hier los ist.“

Um alltäglichen Pflichten zu entgehen, zeigten sich die Fashion Victims einfallsreich. „Offiziell bin ich beim Zahnarzt“, sagt Annika, Mitarbeiterin einer Werbeagentur. Sie ist allerdings etwas enttäuscht. Die Ständer im ersten Stock für Viskosehemdchen, Rollkragenpullover und hochgeschnittene Hosen sind leer – abgesehen von ein paar Übergrößen. Einer herbeieilenden Verkäuferin werden Sakkos aus der Hand gerissen. „Ist da noch eine 38 dabei?“, kreischt eine Blondine. Gegen Mittag ist der Spuk vorbei. „Ganz wenige Teile sind noch da“, sagt Christiane Korn, die H&M-Filialleiterin in der Friedrichstraße 69/70. Um dem Ansturm gerecht zu werden, hat sie doppelt so viel Personal wie an einem normalen Freitag eingesetzt.

Wer keins der Stücke abbekam, kann schon die ersten Teile bei Ebay ersteigern. Ein Oberhemd wird dort für 59,90 Euro angeboten. 20 Euro billiger wäre es im Laden gewesen .

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