Jahresrückblick Bauen : Hoch hinaus

Wie gewohnt wurde auch 2008 um die Stadtplanung heftig gestritten. Von O2-World bis Stadtschloss – die wichtigsten Baustellen des Jahres.

Matthias Oloew

Berlin ist wieder mal uneins über die Stadtentwicklung. Auslöser war ein Bürgerbegehren. Im Juli hatte die Initiative „Mediaspree versenken“ eine Abstimmung über die Entwicklung an den Spreeufern in Friedrichshain und Kreuzberg für sich entschieden – seither wird über die Bebauung zwischen O2-World und Osthafen gestritten. Der dabei vorherrschenden Frage, ob es denn nicht auch ein bisschen kleiner gehe, setzt die O2-World ein amerikanisches „bigger is better“ entgegen: 17.000 Zuschauer passen in die riesige Veranstaltungsarena, die im September eröffnet wurde und die zu einer Initialzündung für die Entwicklung des gesamten Friedrichshainer Spreeufers werden soll.

Ebenso kontrovers verliefen die Debatten um den Wiederaufbau des Stadtschlosses. Ende November hatte sich die Jury des internationalen Architektenwettbewerbs für den Entwurf des Italieners Franco Stella entschieden. Wenige Tage danach fielen, nach monatelanger Verzögerung, auch die letzten Betonreste des ehemaligen Palasts der Republik. Bis zum Baubeginn soll nun erst mal Gras am Schloßplatz wachsen.

Auch der Bund baut weiter. Im Mai feierte Kanzleramtsminister Thomas de Maiziere mit hunderten geladenen Gästen die Grundsteinlegung für den Neubau des Bundesnachrichtendienstes an der Chausseestraße in Mitte. Mit 720 Millionen Euro reinen Baukosten ist das Projekt die größte Einzelbaustelle des Bundes seit dem Zweiten Weltkrieg. Am neuen Dienstsitz für das Umweltministerium an der Stresemannstraße, dem Familienministerium an der Mauerstraße und der Erweiterung für das Landwirtschaftsministerium an der Wilhelmstraße wurde der Richtkranz hochgezogen, und Arbeitsminister Olaf Scholz nahm einen Erweiterungsbau an der Mohrenstraße in Betrieb.

Endlich fertig ist seit Juli auch die neue US-Botschaft am Pariser Platz. Das frisch eröffnete Einkaufszentrum „Ale xa“ verleitete den Regierenden Klaus Wowereit (SPD) im Spätsommer zu einer Schimpftirade über einen in seinen Augen verhunzten Alexanderplatz. Ein parlamentarischer Untersuchungssausschuss soll seit September die Vorgänge um die derzeit wohl umstrittenste Baustelle beleuchten, das Spreedreieck. Im Frühjahr kassierte das Oberverwaltungsgericht das Baurecht und der Senat zahlt den klagenden Anwohnern vier Millionen Euro.

Trotz Finanzkrise soll in Berlin 2009 munter weitergebaut werden – rund um den Hauptbahnhof ist ein neues Viertel geplant. Und es werden die Weichen gestellt für die Zukunft der größten Freifläche in der Stadt: des ehemaligen Flughafens Tempelhof. 

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