Jahresrückblick Bildung : Starkes Ende

Bildung: Die Gemeinschaftsschulen starteten, das Ende der Hauptschulen wurde eingeleitet. Aber auch übers Essen wurde 2008 viel debattiert.

Susanne Vieth-Entus

Schulisch gesehen begann das Jahr 2008 schwach und endete stark. Dazwischen gab es viel Mittelmaß, aber auch viel Aufregung und Verwirrung – also eigentlich von allem etwas.

Vermutlich wurde 2008 in Berlins Schulen fast mehr über Essen als über Stundenpläne diskutiert. Jedenfalls legte die rot-rote Koalition gleich zu Beginn des Jahres eine Bauchlandung hin: Sie hatte versprochen, dass es von Januar an einen Essenszuschuss an Ganztagsgrundschulen geben sollte. Tatsächlich klappte das dann aber erst im Herbst, weil es mit der Umsetzung hakte.

Auch an den Gymnasien wurde viel über das Essen gesprochen: Seit das Turboabitur die Schüler bis 15 Uhr oder länger von zu Hause fernhält, vermissen sie eine ordentliche Mittagspause inklusive Mahlzeit. Manche Bezirke, aber auch manche Schulen glaubten, das Thema aussitzen zu können oder zeigten mit dem Finger auf den Senat. Allerdings gab es bald genügend gute Beispiele, die ausstrahlten und den Zögerern Beine machten. Heute kann man sagen: Die Sache geht voran.

Zu den Aufregern des Jahres gehörte sicherlich das Durchsickern der Mathematikaufgaben beim Mittleren Schulabschluss. Die ganze Klausur musste wiederholt werden, erwies sich dann aber zu allem Überfluss im Vergleich zum ersten Durchgang als zu schwer. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) entschärfte das Problem, indem er die Benotung etwas großzügiger vornehmen ließ. Damit war das Thema nicht ausgestanden, denn einige Schüler behaupteten, abermals vorab die Aufgaben gekannt zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt immer noch.

Das blieb nicht der einzige Ärger in Sachen Vergleichsarbeiten: Auch um die zentralen Klausuren der Drittklässler gab es Zoff. Lehrer berichteten, dass in den Kollegien viel geschummelt werde, um die Ergebnisse zu schönen. Zöllner hat angekündigt, das Verfahren zu verbessern, zumal sich auch Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) einmischte. Der war offenkundig durch seine Frau, eine Grundschullehrerin, für das Thema sensibilisiert worden.

Ach ja, dann war da noch die Frage der Beträume für muslimische Schüler, die nicht nur in Wedding Wirbel auslöste. Das Verwaltungsgericht rechnet mit einer Entscheidung im Laufe des Jahres 2009. So lange brauchten die Gemeinschaftsschulen nicht: Sie starteten im Sommer mit viel Elan und bekommen nächstes Jahr Verstärkung. Historisch zu nennendes Gewicht bekam das Jahr 2008 dann aber weniger durch den Start der Gemeinschaftsschulen als durch die Entscheidung, die Hauptschulen endlich auslaufen zu lassen und sie mit Real- und Gesamtschulen zu fusionieren. Ein guter Schluss.

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