Jahresrückblick Kriminalität : Fast alles aufgeklärt

Nur einen Mordfall konnte die Polizei noch nicht lösen: Von den Tresorknackern am Ku’damm fehlt bis heute jede Spur.

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Kann wieder lächeln. Charlyn John überlebte das Attentat des Onkels. Foto: dpa

Es war am Abend des 6. Dezember, als ganz Berlin aufatmen konnte: Der sogenannte Bombenleger aus Rudow, Peter John, war am Ostbahnhof gefasst worden. Elf Tage lang hatte die spektakulärste Fahndungsaktion der Berliner Polizei der vergangenen Jahre gedauert. Sämtliche Spezialeinheiten, Zivilfahnder, Observateure sowie die Beamten der Sonderkommission „Charlyn“ waren rund um die Uhr im Einsatz, um nach dem untergetauchten 32-Jährigen zu suchen. John hatte am 26. November eine Bombe im Briefkasten seiner Verwandten in Rudow deponiert. Bei der Explosion wurde seine 12-jährige Nichte Charlyn lebensgefährlich verletzt. Nach mehreren aufwändigen Operationen im Unfallkrankenhaus Marzahn konnten die Ärzte den zerfetzten Arm des Kindes retten. Charlyn geht es mittlerweile den Umständen entsprechend gut, doch sie wird noch Wochen in der Klinik verbringen müssen. Peter John hatte während seiner Flucht eine E-Mail an eine Boulevardzeitung geschickt und darin gestanden, den Anschlag auf seine Stiefschwester und deren Mann aus Hass auf die Familie begangen zu haben. Die Festnahme Peter Johns erfolgte dann zufällig: Beamten der Bundespolizei war am Samstagabend ein Mann aufgefallen, der sich auffällig vor den Schließfächern herumtrieb.  Einen Tag später fand die Polizei das Versteck des Bombenlegers – eine Hütte in einem Wald bei Rahnsdorf.

Nicht aus den Schlagzeilen kam in diesem Jahr die Gewalt im Nahverkehr. Obwohl nach BVG-Angaben die reine Zahl der jährlichen Übergriffe seit 2005 recht konstant bei knapp unter 200 liegt, schockierte die ebenso hemmungslose wie sinnlose Brutalität der Täter. Opfer waren vor allem Busfahrer und Fahrscheinkontrolleure. Intensiv wurde über Konsequenzen diskutiert – über mehr Videotechnik, den Einsatz von Schaffnern oder Wachschutz. Schutzscheiben für Busfahrer wurden gefordert und Beförderungsverbote für Schläger. Geholfen haben bei der Fahndung mehrfach die Aufzeichnungen aus Überwachungskameras. So wurde im Oktober ein 14-jähriger Araber verhaftet, der einem Busfahrer die Faust ins Gesicht geschlagen hatte – damit sein Freund das mit der Handykamera aufnehmen konnte. Die Schläger aus dem U-Bahnhof Blissestraße, die einen Fahrgast mit Tritten schwer verletzt hatten, wurden ebenfalls nach der Veröffentlichung der Videobilder erwischt.

Für die Mordkommissionen der Polizei war es ein erfolgreiches Jahr. Sie haben alle Fälle, die bis Weihnachten geschahen, aufgeklärt.  Fehlt nur noch der Täter, der am ersten Feiertag den Wachmann eines Obdachlosenheims in Mitte getötet hat. Auch der Fall des Rotlicht-Fahrers vom Potsdamer Platz gilt als gelöst: Wenige Tage vor Weihnachten waren zwei junge Kriminelle auf der Flucht vor der Polizei in den Tod gerast. Die als Intensivtäter bekannten Männer hatten zuvor eine Drogerie aufgebrochen. Durch einen DNA-Abgleich war festgestellt worden, dass Ibrahim O. auch der Todesfahrer von Oktober war. Damals war ein Tourist vor dem Sony-Center getötet worden, als er die Straße überqueren wollte. Der Fahrer war geflüchtet. Das Fahrzeug, ein teures BMW-Coupé, war schnell gefunden, es gehörte einem Neuköllner Hartz-4-Empfänger, der es als Strohmann für eine arabische Großfamilie angemeldet hatte.

Eine grausige Frauenmordserie klärte die Polizei bereits im Sommer auf. Am 1. August wurde die 83-jährige Liselotte Kügler tot in ihrer Wohnung in der Sigmaringer Straße in Wilmersdorf gefunden. Wie die Obduktion ergab, war die Rentnerin am Vormittag des 25. Juli erwürgt worden. Schnell sahen die Ermittler eine Parallele zu dem Mord an einer 59-jährigen Frau aus der Schöneberger Motzstraße. Als Tatverdächtiger wurde dann der erst kurz zuvor nach 20 Jahren aus der Haft entlassene Frauenmörder Hansjoachim W. festgenommen. Bereits in den 80er Jahren hatte der heroinsüchtige Mann drei Frauen getötet – sie wurden alle erwürgt oder erdrosselt. Am 15. Juli soll er mit seinem Komplizen Maik V. in die Wohnung in der Motzstraße eingedrungen sein. Die Mieterin lag danach tot in der Badewanne – sie war erwürgt worden. Die Täter raubten dem Opfer einige hundert Euro. DNA-Spuren führten die Ermittler zu der Erkenntnis, dass Hansjoachim W. auch für den Tod der 83-jährigen Liselotte Kügler verantwortlich ist.

Weniger erfolgreich war die Kripo beim spektakulärsten Bankeinbruch des Jahres 2008: Die mindestens vier Männer, die an einem Juli-Wochenende die Kundenschließfächer der Commerzbank am Kurfürstendamm ausgeräumt hatten, sind spurlos verschwunden – vermutlich haben sie sich mit ihrer wertvollen Beute sofort ins Ausland abgesetzt.

Kein Wochenende verging, am dem nicht betrunkene Kinder oder Jugendliche von der Straße aufgelesen werden mussten. Bis Ende November zählte die Polizei 1099 stark betrunkene Minderjährige. Allein im November waren es 87 – das waren 19 weniger als im Vormonat, als die Jugendlichen vor allem in den Herbstferien ordentlich gezecht hatten. Seit dem Tod eines 16-Jährigen bei einem Wetttrinken im März 2007 zählt die Polizei die Fälle.

Konstant hoch ist die Zahl der von Linksextremisten angezündeten Autos. Waren es im Vorjahr 87 Brandanschläge, wurden bis Weihnachten 84 registriert. Begonnen hatte die Serie 2006 mit dem Weltwirtschaftsgipfel, allgemein war erwartet worden, dass danach die Zahl der Anschläge deutlich sinkt – doch die Szene zündelt weiter.

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