Berlin : Jahreswechsel: Festhalten!

Matthias Oloew

Mit Epizentren ist das so eine Sache. Selten bleibt ein Stein auf dem anderen. Trotzdem ist Udo Zimmermann, Intendant der Deutschen Oper, fest entschlossen, sein Haus zu einem Epizentrum machen zu lassen. "Das Epizentrum einer unbeschreiblichen Nacht" versprechen die Veranstalter zu Silvester und stellen erstmals eine Party in allen Foyers auf die Beine. 2500 Gäste sollen kommen und dem schmucklosen Bau Glamour verpassen. Damit das auch klappt, hat sich Zimmermann die Partyveranstalter mit dem beziehungsreichen Namen "hysteric glamour" ins Haus geholt. Drei Tanzflächen wollen sie mit House, Dancefloor und Funk beschallen.

Edel soll das Ganze werden, weshalb die 90-Grad-Gründerin Britt Kanja über die Gäste der Model- und Promi-Lounges wachen wird. Außerdem gibt es eine "Darkroom-Lounge". Djordje Vuckovic, Kopf vom "hysteric glamour", lächelt verschmitzt: "Das wird ein abgedunkelter Chill-Out-Raum sein." Also nicht das, was vorzugsweise Männer aus Schöneberger Szene-Kellern kennen. Einen Limousinen-Service gibt es auch, gegen Aufpreis, versteht sich. In der Hochglanz-Party sieht Udo Zimmermann den Versuch, "Oper durch die Hintertür" publik zu machen. Geht die Rechnung auf, sollen weitere Aktionen folgen. Zimmermann: "Die Oper kann nicht mehr allein durch ihre Opernkunst Publikum in den Bann ziehen." Trotzdem soll die Party nicht ohne Arien auskommen. Während eines gemeinsamen Auftritts werden Opernsänger und DJs gemeinsame Sache machen: Klassik trifft Techno. Als Publikum wünschen sich Partyveranstalter und Gastgeber Menschen unter 35, von der schicken Mitte-Szene, aber auch Party-Touristen aus dem In- und Ausland. Mit der Party möchte sich Zimmermann deutlich absetzten gegenüber der Konkurrenz Unter den Linden.

Wie schon in den vergangenen Jahren, so lädt die Staatsoper zu einem Gala-Abend mit Konzert, Menü / Büfett und anschließendem Tanz auf der Hauptbühne. Das Mitte-Publikum, das in die partytechnisch abgelegene Deutsche Oper kommen soll, kann sich vor Angeboten für die Silvesternacht kaum retten. Fast alle Szene-Clubs in Mitte öffnen und bieten eine besondere Party. Ein Beispiel von vielen: In der Lore.Berlin gibt es die Al Capone Majestic Lounge, mit Spielcasino-Ambiente und Black-Jack im Pokerzimmer.

Udo Zimmermann und die Seinen sind sich aber unerschütterlich sicher: Das Party-Epizentrum an diesem Abend wird die Deutsche Oper sein.

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