„Jahrgangsmischung“ : Mit sanftem Druck zur Schulreform

Bildungssenator Jürgen Zöllner will gemeinsamen Unterricht von Erst- und Zweitklässlern mit Zielvereinbarungen durchsetzen - die Rektoren warten auf ein klares Signal. Denn die Idee "Jahrgangsmischung" ist hoch umstritten.

Susanne Vieth-Entus

BerlinBildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) plant einen Kompromiss in Sachen „Jahrgangsmischung“. Dem Vernehmen nach will er zwar daran festhalten, dass Erst- und Zweitklässler zusammen unterrichtet werden müssen. Es soll aber vorübergehend Ausnahmen geben, wenn die räumlichen und personellen Voraussetzungen nicht stimmen. Als ausgeschlossen gilt inzwischen, dass es den Schulen freigestellt wird, sich diesem Herzstück der Grundschulreform zu entziehen und die beiden Jahrgänge nicht zu mischen.

Damit Schulen sich nicht jahrelang mit Hinweisen auf Probleme bei der Ausstattung oder bei der Fortbildung um die Reform drücken können, sollen sie in Zielvereinbarungen festschreiben, wie sie die Hindernisse aus dem Weg räumen werden. Ohne eine solche Zielvereinbarung werde es keine Erlaubnis geben, die Reform zu verschieben, heißt es intern.

Die Schulen warten dringend auf ein klares Signal der Bildungsverwaltung. Wie berichtet, protestieren seit Monaten Eltern und Kollegien gegen die Altersmischung. Sie haben noch immer nicht die Hoffnung aufgegeben, dass das Ganze freiwillig wird.

Aus der Bildungsverwaltung heißt es, dass Zöllner „im Februar“ alle Weichen stellen werde. Das betrifft auch andere Problemfelder – wie etwa den Erziehermangel in den Ganztagsgrundschulen und die Personalzuteilung für „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ). Die Schulen sind verunsichert, weil es erneut Gerüchte gibt, wonach die DaZ-Fördermittel künftig nach anderen Kriterien verteilt werden sollen. Diskutiert wird zudem, Personalmittel nicht mehr pro Schüler, sondern pro Klasse zuzuweisen. All dies muss Zöllner entscheiden.

Beim Punkt „Jahrgangsmischung“ dürfte es geradezu unmöglich sein, es allen recht zu machen. Um auch die Zweifler ins Boot zu holen, müsste Zöllner ihnen mehr Personal zusagen, als Finanzsenator Sarrazin geben will. Aber auch dann wären nicht alle begeistert. So bestehen bei einigen Europaschulen Bedenken, ob sich ihre komplizierte zweisprachige Alphabetisierung überhaupt mit dem Konzept der Altersmischung verträgt.

Auch bei den Sozialdemokraten befürworten nicht alle das Konzept der Jahrgangsmischung. „Wenn die Idee gut ist, setzt sie sich durch. Wenn nicht, sollte man sie auch nicht verordnen“, meint etwa Neuköllns Bildungsstadtrat Wolfgang Schimmang. Dem widersprechen die bildungspolitische SPD-Sprecherin Felicitas Tesch und ihr Abgeordnetenkollege Steffen Zillich (Linke) vehement: Einen Kernpunkt der Grundschulreform dürfe man nicht zur Disposition stellen, sagen beide übereinstimmend.

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