Berlin : Jahrtausendwechsel: "Mister Silvester" ist gar kein Party-Typ

Wie haben Sie vor zehn Jahren Silvester gefeiert?

Wie haben Sie vor zehn Jahren Silvester gefeiert?

Das weiß ich gar nicht mehr so genau. Auf jeden Fall irgendwie im kleinen Kreis. Ich bin nämlich kein Party-Typ.

Trotzdem organisieren Sie seit Jahren die Bummelmeile zu Silvester Unter den Linden. Wie kam es dazu?

Mich hat das Bild der nach-weihnachtlichen Leere in der Stadt immer traurig gemacht. Die wollte ich überbrücken und hatte auch die Hotellerie im Blick.

Man könnte ja auch auf die Idee kommen, Silvester mit einem großen Kulturfest oder einer Gala zu feiern.

Mit einer Gala kriegen Sie höchstens 1000 Leute, wenn überhaupt, in die Stadt. Ich wollte aber etwas richtig Großes. Und so kamen wir auf die Idee, die größte Open-Air-Party zu veranstalten.

Haben Sie alle ihre Pläne umgesetzt?

Es ist gelungen, die Marke "Silvester in Berlin" erfolgreich zu etablieren. Das beweisen auch die großen Partner, die wir haben, wie die Deutsche Post, SAT 1, Bitburger, Erdinger und so weiter. Solche Firmen investieren nicht in ein Projekt, das nicht gut ist.

Also ist die Silvestermeile ein großes Sponsoren-Präsentationsfest.

Sie können so ein Fest nicht ohne Sponsoren aufziehen, und außerdem täuscht der Eindruck. Für die Party zahlen unsere Partner viel Geld, da muss es für sie möglich sein, sich entsprechend darzustellen.

Vom Jahreswechsel 1999 / 2000 gab es im US-Nachrichtenmagazin Time zum Beispiel viele Bilder aus der ganzen Welt. Sydney, Paris, London... Berlin war nicht dabei.

Keine Ahnung, woran das lag. Dafür war Berlin bei den Fernsehsendern dabei, CNN, ABC und so weiter. Wir haben 350 Fernsehsender in 120 Ländern mit Bildern beliefert. Die Feier, die wir in Berlin ausgerichtet haben, war viel größer als in London . Oder New York. Da waren nur eine Million Leute am Times Square, haben aufs neue Jahr geprostet und sind dann wieder gegangen.

Dennoch fällt die Fete diesmal kleiner aus.

Unwesentlich. Wir haben nur zehn Prozent weniger Fläche, inhaltlich hat es dafür viel mehr Veränderungen gegeben. Auf die Gala im Zelt vor dem Reichstag verzichten wir, und auch die Eisbahn auf dem Gendarmenmarkt wird es nicht geben.

Die Gala war ein Flop?

Mehr noch, sie war eine finanzielle Bruchlandung. Dabei war sie so hochkarätig wie eine Gala nur sein kann. So etwas hatte es in Berlin seit der Kaiserzeit nicht mehr gegeben. Aber die Logistik war irrsinnig teuer. Das Zelt musste tagelang bewacht werden, wir brauchten einen kompletten Unterbau aus Holz, weil vor dem Reichstag damals ja noch eine große Baugrube gähnte.

Warum ist es so schwer, zu Silvester eine Großveranstaltung mit mehr Niveau aufzuziehen?

Schwer zu sagen, der Markt jedenfalls ist da. Vor einem Jahr hat ja keine Gala funktioniert. Alle haben zuschießen müssen. Aber es gab zu viele davon: vor dem Reichstag, bei Sony, in der Dresdener Bank am Pariser Platz... .

Das Tor ist diesmal verhüllt. Sehen Sie darin ein Problem?

Überhaupt nicht. Für die Sicherheit ist gesorgt, da war in anderen Jahren auch nicht mehr Platz. Und die Sponsoren haben sich auch nicht daran gestört.

Wo werden Sie diesmal den Jahreswechsel feiern?

Mein Los ist das Lagezentrum, das diesmal in der Dresdner Bank eingerichtet wird.

0 Kommentare

Neuester Kommentar