James-Bond-Bösewicht Michael Pink : Der Schurke aus Friedenau

Kämpfen, schießen, sterben: Das kann Michael Pink. Der Schauspieler aus Friedenau ist einer der Bösewichte im neuen James-Bond-Film. Doch hinter der harten Fassade des Darstellers steckt mehr, als man auf den ersten Blick vermutet.

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Bezirkskino. In seinem Alltag im beschaulichen Südwesten der Stadt ahnt niemand, dass Michael Pink, 35, nun Meister in tödlichen Schlägen und Tritten ist. Foto: Thilo Rückeis
Bezirkskino. In seinem Alltag im beschaulichen Südwesten der Stadt ahnt niemand, dass Michael Pink, 35, nun Meister in tödlichen...

Michael Pink hat den Wehrdienst verweigert. Aber seit ein paar Monaten kann er eine Maschinenpistole blitzschnell in Einzelteile zerlegen, zusammenbauen und durchladen. Er beherrscht tödliche Schläge und Tritte im Schlaf. Und er weiß, wie man nach einem Schuss in die Schulter oder ins Bein authentisch zu Boden stürzt. Er nennt das Sterbetechnik.

Michael Pink steht mit Zigarette im Mundwinkel neben einem Kinderfahrrad mit rosa Blümchen und rosa Zahlenschloss und prüft, ob es angeschlossen ist. Eben hat er seine Tochter in die Kita gebracht. Es ist ein Freitagmorgen in Friedenau. Er wirft die Zigarette weg und betritt das Café direkt neben der Kita, setzt sich an einen niedrigen hellblauen Tisch und bestellt Kaffee. In den Regalen stehen rote Tassen und Plüschtiere, im Hintergrund singt Norah Jones. Der drahtige Mann mit den tiefen Augenringen, dem schneidenden Blick und den hohlen Wangen wirkt wie ein Fremdkörper. Doch der Eindruck täuscht: Michael Pink kommt jeden Morgen hierher.

Gut möglich, dass sein Gesicht in den nächsten Wochen weltweit bekannt wird. Vielleicht werden ihn Menschen in der Berliner U-Bahn um Autogramme bitten. Möglich auch, dass er bald regelmäßig kämpfen, schießen und sterben muss. Wer weiß, vielleicht wird er einen ähnlichen Weg einschlagen wie die Schauspieler Götz Otto, Gottfried John oder Clemens Schick: von einer Rolle in einem James-Bond-Film zum deutschen Vorzeige-Bösewicht.

Pink zieht ein Smartphone aus der Tasche und scrollt sich durch ein Fotoalbum. Bei einem Bild bleibt er stehen. Es zeigt ihn selbst, glattrasiert und mit noch tieferen Augenringen als jetzt, in einem Wohnwagen.

Die "Skyfall"-Weltpremiere in London
Die Hauptperson des Premierenabends in London: Daniel Craig alias James Bond.Weitere Bilder anzeigen
1 von 12Foto: AFP
24.10.2012 08:50Die Hauptperson des Premierenabends in London: Daniel Craig alias James Bond.

Vor knapp einem Jahr stand dieser Wohnwagen mitten in London in einer abgesperrten Straße. Vor dem Wohnwagen drehte das Filmteam eine Szene mit Daniel Craig und Javier Bardem. Direkt danach sei er an der Reihe, hatte man Michael Pink gesagt. Sein erster Auftritt. Also wartete er, stundenlang. Es störte ihn nicht, immerhin war er am Set der ältesten und legendärsten Filmreihe der Welt. Regie führte Sam Mendes, der Regisseur von American Beauty. Oscarpreisträger, oberste Kino-Prominenz.

Als es endlich soweit war, an diesem 11. Dezember vor knapp einem Jahr, dämmerte schon der Morgen. Michael Pink hatte 15 Stunden lang gewartet. Die Maskenbildnerin muss ihn kaum noch schminken, das übermüdete Gesicht passt gut zu seiner Rolle.

Pink spielt den Helfer des Bösewichts Raoul Silva, verkörpert von Javier Bardem. Für die Rolle hat Pink wochenlang mit Stuntmännern Kampftechnik trainiert und gelernt, wie man Waffen bedient. Am Donnerstag kommt der Film in die deutschen Kinos, aber ein paar Wochen vorher kennt nicht mal Michael Pink die ganze Handlung. Man hat ihm nur die Szenen aus dem Drehbuch kopiert, in denen er mitspielt. Der Rest ist, passend zum Filmthema, streng geheim.

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