Berlin : Jan Schlubach: Die Darsteller nicht erschlagen

Jan Gympel

Schauspieler stehen stets im Vordergrund. Dann ist noch von den Regisseuren die Rede. Aber Ausstatter, Szenenbildner, Art Directors oder Production Designer? Der wohl renommierteste Szenenbildner des bundesdeutschen Films feierte am Sonntag seinen achtzigsten Geburtstag: Jan Schlubach, den das Arsenal heute um 19 Uhr 30 mit der Vorführung von "Geibelstraße 27" ehrt. Der 1966 entstandene Fernsehfilm ist einerseits typisch für das Schaffen des Wahl-Berliners, als er dessen eher unaufdringlichen Stil zeigt - das Ausgeklügelte und Sorgfältige selbstverständlich erscheinen, Geschehen und Kulisse miteinander verschmelzen zu lassen, die Schauspieler in Räume mit Tiefe zu stellen, statt sie vor platten Hintergründen hin- und herlaufen zu lassen oder mit der Szenerie zu erdrücken. Andererseits sind die tragikomischen Alltagsszenen von Mietshausbewohnern, mit denen der Drehbuchautor Horst Lommer ein Zeitbild schuf, auch ein Beispiel für Schlubachs langjährige Kooperation mit dem Regisseur Peter Beauvais, die auch Werke wie "Deutschstunde" oder "Im Reservat" umschließt.: "Wir waren wie Zwillinge", hat Schlubach einmal bemerkt.

Dabei ist das Werk des in Hamburg, Oberbayern und Dresden Aufgewachsenen kaum zu überschauen: Für Filme von Roger Spottiswoode, Krzysztof Zanussi und George Balanchine war er in den letzten vierzig Jahren tätig, für Stanley Kubricks "Barry Lyndon" und "Shining" suchte er Drehorte und war an den Aufnahmen beteiligt, und auch einer Serie wie "OP ruft Dr. Bruckner" gab er ihren "Look".

Angefangen hatte er jedoch beim Theater, von 1948-60 währte sein Schaffen als Ausstattungsleiter für Heinz Hilpert - für rund siebzig seiner Inszenierungen schuf Schlubach die Bühnenbilder. Daneben arbeitete er für Regisseure wie Otto Schenk und Rudolf Noelte, an den Opernhäusern von Berlin (zuletzt beim Ballett "Verdiana" an der Staatsoper), Hamburg, Cardiff, Washington oder Zürich. Nicht zu vergessen die Ausstellungsarchitekturen: Der Innenausbau des Frankfurter Filmmuseums stammt von ihm, für eine "Kinder als Auftraggeber" betitelte Schau der Berliner Akademie der Künste entwirft er derzeit die Gestaltung. Wenn er heute unter anderem von Filmmuseumschef Hans Helmut Prinzler, der als Moderator des Arsenal-Abends fungiert, gefeiert wird, ist Jan Schlubach gerade aus Paris zurückgekehrt, wo er zurzeit an einem Streifen mit Marcel Marceau arbeitet.

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