Japaner auf der ITB : Erst die Arbeit - dann die Heimat

Die Aussteller auf der ITB haben entsetzt auf die Nachricht über das Erdbeben in Japan reagiert. Japanische Aussteller stürzen sich auf der Messe in die Geschäfte und verdecken ihre große Unruhe über die Lage daheim.

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Normaler Betrieb - so scheint es - herrscht am Tag des Erdbebens am japanischen Stand auf der ITB.
Normaler Betrieb - so scheint es - herrscht am Tag des Erdbebens am japanischen Stand auf der ITB.Foto: Steyer

Auf den ersten Blick lassen sich die japanischen Aussteller auf der ITB nichts von den dramatischen Ereignissen in der Heimat anmerken. Scheinbar wie immer führt die etwa 40-köpfige Delegation aus allen Regionen des Inselstaates Gespräche mit Reiseveranstaltern aus aller Welt. Neben japanischen Sprachfetzen fliegen französische, englische, italienische und natürlich deutsche Worte aus dem Innenraum des wie ein Tempel aufgebauten Messestandes auf die Gänge herüber.

Nur am Ende der Verhandlungen ziehen sich die vorwiegend männlichen Touristiker rasch zurück und greifen zu den Handys. Sie sind die einzigen Kommunikationsmittel, um Informationen aus der Heimat zu erfahren. Kein Fernseher läuft mit den Live-Bildern von den Zerstörungen im Land. Stattdessen werden den Messebesuchern die landschaftlichen Schönheiten in schönsten Bildern vorgestellt.

„Wir haben leider überhaupt keine verlässlichen Informationen“, sagt Angela Troisi vom japanischen Fremdenverkehrsamt, das den Messeauftritt in Berlin organisiert. „Erst eine SMS von einer Freundin in Japan hat mich am Vormittag stutzig gemacht. Sie schrieb, dass sie o.k. sei. Danach habe ich von den Ereignissen erfahren.“ So wie der jungen Frau, die lange Zeit in Fernost gelebt hat, geht es allen am Messestand. Die meisten Touristiker stürzen sich einfach in die Arbeit.

„Wir sind nur noch bis heute Abend in Berlin und haben noch einen vollen Terminkalender", erklärt ein Vertreter aus Tokio in einer kurzen Verhandlungspause. „Die Aufträge gehen im Moment vor, danach kommen die privaten Sorgen.“ Am Abend sollte es für alle zurück in die Heimat gehen.

Da es von Berlin keine direkte Flugverbindung nach Japan gibt, mussten die meisten Gäste den Umweg über Frankfurt (Main) machen. „Da gibt es aber einige Ausfälle“, bestätigte Ralf Kunkel, Sprecher der Berliner Flughäfen. „Die Verbindung von Berlin nach Peking funktioniert dagegen reibungslos.“

Ihre äußerliche Ruhe erklären die japanischen Aussteller auf der ITB vor allem mit der Hoffnung auf möglichst wenige Opfer. Da ist vom „Vertrauen in die erdbebensicheren Häuser“ und das „gute Rettungswesen“ die Rede. Doch kaum jemand kennt mitten in Berlin die wahren Ausmaße dieses schlimmsten Erdbebens der Geschichte. Auch von der nur wenige Kilometer entfernen Botschaft des Landes hat die Tourismusvertreter bis zum Ende des Messetages keine offizielle Information erreicht.

Ähnlich ergeht es auch den Verhandlungspartnern und der Mehrzahl der Messegäste. Nur wenn ein Gast auf seinem iPhone oder auf seinem iPad eine Internetseite mit den Bildern aus Fernost anklickt, bildet sich vor den Hallen sofort eine Menschentraube. Am Nachmittag drückte die Messeleitung ihr tiefes Mitgefühl mit den betroffenen Ländern aus.

Dazu gehören auch Papua-Neuguinea oder die Philippinen. Wer sich hier nach der aktuellen Stimmung erkundigt, erntet überall ein Kopfschütteln. Man könne einfach nichts sagen, heißt es.

„Wir wissen gar nichts“, bestätigte Katrin Pottier vom Europäischen Tourismusbüro für Papua-Neuguinea, das von Frankfurt (Main) die Werbung für den aus 600 Inseln bestehenden Staat mit 5,7 Millionen Einwohnern organisiert. Die bunten Prospekte finden guten Absatz. Ein farbenprächtig bemalter Ureinwohner posiert für Fotos mit den Messebesuchern – wie immer.

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