Japanisches Sake Festival Berlin : Berlin wird japanisch

Ein japanisches Festival lädt am Samstag zur Reiswein-Verkostung ins Urban Spree ein. Die japanische Subkultur in der Stadt wächst stark.

Carla Hegnon
Naho Iguchi, Gründerin vom NION Berlin, in ihrem Pop-up-Store am Moritzplatz.
Naho Iguchi, Gründerin vom NION Berlin, in ihrem Pop-up-Store am Moritzplatz.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

"Einmal Teriyaki im Menü, bitte!" Yumi Son steht hinter der Theke im "Smart Deli", rechnet ab und unterhält sich mit Kunden. Seit 2002 betreibt sie ihren japanischen Laden in Mitte. Hier kann man nicht nur traditionelle Gerichte verspeisen, sondern auch in dem Mini-Supermarkt mit den bunten Verpackungen stöbern. Jede Menge Reis, Suppen und Surimi: exklusiv aus Japan. "Zum Mitnehmen oder hier essen?", fragt sie den Teriyaki-Kunden in akzentfreiem Deutsch. Vor 17 Jahren kam Son nach Deutschland, studierte an der Kunstakademie in Düsseldorf und eröffnete ihren Laden. "In den letzten Jahren besuchen mehr Japaner das Deli und kaufen heimische Lebensmittel", bemerkt Son.

Immer mehr japanische Kulturveranstaltungen in Berlin

Tatsächlich kommen immer mehr Japaner nach Berlin. Laut Statistik lebten 2016 insgesamt 3673 Japaner in der Stadt, im Jahr 2011 waren es noch 2681. Besonders die Zahl der 15- bis 45-jährigen Japaner mit Wohnsitz Berlin ist in den vergangenen fünf Jahren stark gestiegen: um fast 800. In der Kulturszene gibt es immer mehr japanische Angebote, etwa den japanischen Weihnachtsmarkt oder, am heutigen Sonnabend, das erste Sake Festival der Stadt. Im Urban Spree in Friedrichshain gibt es Sake zu verkosten, der japanische Reiswein ähnelt geschmacklich einem trockenen Sherry. Außerdem können traditionelle traditionelle japanische Spezialitäten verspeist werden, auch "Smart Deli" ist vertreten.

Doch warum ist gerade Berlin für junge Japaner interessant? Seit Dezember 2000 ist es für Deutsche wie Japaner unter 30 durch das "Working Holiday"-Programm einfacher geworden, das jeweils andere Land zu bereisen. Für ein Jahr lernen sie die fremde Kultur und das Alltagsleben kennen. Anders als andere Visa ist das „Working Holiday“-Programm kostenlos und nicht an Bedingungen wie ein Jobangebot gebunden.

"Hier bin ich frei"

Naho Iguchi war schon zu alt für das Programm, als sie 2013 nach Berlin zog. Nach einem Urlaub in der deutschen Hauptstadt hatte sie den Wunsch, hier einmal zu wohnen. Die freiberufliche Kommunikationdesignerin beantragte das „Freelancer“-Visum und wagte vor vier Jahren den Umzug von Tokio nach Berlin.

"Hier bin ich frei", sagt Iguchi lächelnd. An Tokio vermisst sie nur das Meer und den Strand, so eine kreative Szene wie in Berlin gebe es dort nicht. Vor einem Jahr gründete sie Nion Berlin, eine deutsch-japanische Plattform für Kreative. Gemeinsam mit deutschen Kollegen will Iguchi Brücken bauen zwischen Berlins und Tokios kreativer Szene.

Seit Mai 1994 ist Tokio Berlins Partnerstadt. Einige offizielle Einrichtungen, wie das japanisch-deutsche Zentrum Berlin, widmen sich dem Länderaustausch durch wissenschaftliche Konferenzen, Sprachkurse, Austauschprogramme und andere Veranstaltungen. Parallel entsteht eine japanische Subkultur, die vor allem junge Leute erreicht, und Iguchi und ihre Kollegen befeuern diese durch Festivals, Kunstausstellungen und Partys. Zurzeit haben sie einen Nion-Pop-up-Store am Kreuzberger Moritzplatz, in dem sie Produkte japanischer Künstler und Designer vorstellen und ein wechselndes, buntes Programm anbieten.

"Jeder liebt Sake"

2014, zum 20-jährigen Jubiläum der Partnerschaft Berlins und Tokios, unternahm Iguchi eine Delegationsreise im Namen des Berliner Senats, um ihrer Heimatstadt Berlin nahe zu bringen. Doch auch schon vor ihrer Reise war das Ziel vieler Japaner die deutsche Hauptstadt. Japanische Blogger schwärmen von Berlin, auch die Berliner Start-Up-Szene lockt Japaner, wie Iguchi vermutet – und deutsche Techno-DJs haben ostasiatische Musiker inspiriert.

Auch Ken-u Pork ist dem deutschen Techno verfallen. Vor drei Jahren kam er mit dem „Working Holiday“-Programm aus Osaka, der Metropole im Westen Japans, nach Berlin und wollte nach einem Clubbesuch DJ werden. Berlin gefällt ihm sehr gut, weshalb er nach dem ersten Jahr das „Freelancer“-Visum beantragte. Er gründete ein Musiklabel, organisiert Veranstaltungen und tritt selbst als DJ auf. Er ist auch Veranstalter des heutigen Sake Festivals. "Jeder liebt Sake", davon ist Pork überzeugt.

Japanese Sake Festival Berlin 2017, 14.1., 16-23 Uhr, Urban Spree. Eintritt drei Euro, ein Sake ist inbegriffen. Es gibt fünf verschiedene Sake-Sorten, je 3 oder 4 Euro.

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