Berlin : "Jasper" soll für Nachwuchs sorgen, denn der Zoo hat Nachwuchssorgen

Der achtjährige tschechische Spitzmaulnashorn-Bulle "Jasper" - eine Zuchtleihgabe aus Leipzig - ist jetzt ein Berliner. Der Kurator des Berliner Zoos, Reinhard Göltenboth, sagte gestern auf Anfrage, dass "Jasper" die Reisestrapazen - er kam mit dem Lkw in die Hauptstadt - gut weggesteckt habe und sich nun an seine neue Umgebung im Berliner Zoo gewöhne. Um dem Kraftprotz, der gut 2 000 Kilogramm auf die Waage bringt, diese Eingewöhnung zu erleichtern, wird er nach Angaben des Kurators noch bis zum Montag völlig von der Öffentlichkeit abgeschirmt.

Denn auf den Nashorn-Bullen im "besten Mannesalter" wartet eine Menge "Arbeit": Der Bulle soll den vier alteingesessenen Nashorndamen Nachwuchs und dem Zoologischen Garten so weitere Zuchterfolge bescheren. Der Berliner Zoo bietet dafür gute Voraussetzungen. In 25 Jahren wurden hier zwölf Nashörner geboren und aufgezogen. Bis der zweimalige Vater "ran" muss, stehen ihm die Zoologen noch einige Wochen Eingewöhnungszeit zu. Bei einer Tragzeit von 15 Monaten sei die kleine Verzögerung durchaus zu verzeihen, meinte Göltenboth. Jaspers Leidenschaft soll zunächst der 25-jährigen "Kilaguni" gelten. Die dreifache Mutter sei die älteste der vier Berliner Nashorn-Damen und werde, so der Zoo, ihre Paarungsbereitschaft durch ihren Duft signalisieren.

Bleibt zu hoffen, dass "Jasper" sich keine Erkältung einfängt und eine verstopfte Nashorn-Nase die ehrgeizigen Zoo-Pläne durchkreuzt. Der Zuchtwunsch hat aber auch einen traurigen Hintergrund: Im natürlichen Nashorn-Lebensraum im südlichen Afrika leben nach Angaben des Zoos nur noch 2600 Exemplare der von der Ausrottung bedrohten Spezies. Die ob der nachgesagten potenzfördernden Wirkung begehrten Nashorn-Hörner bieten Wilderern ausreichend Grund, die vegetarisch lebenden Kolosse zu töten und die Hörner gewinnbringend illegal zu verkaufen.

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