Berlin : Je mehr Berliner fahren, um so billiger soll die BVG werden

Klaus Kurpjuweit

Fahrgäste können den Preis für Fahrten mit Bahnen und Bussen bald selbst bestimmen - wenn es nach den Plänen der BVG geht. Zur Tarifänderung am 1. August 2002 soll das so genannte Power Pricing eingeführt werden, zunächst beschränkt auf Jahreskarten fürs Stadtgebiet (Tarif AB), schlägt die BVG morgen dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) vor. Bei diesem Modell sinken die Preise um so mehr, je mehr Käufer sich finden. Außerdem will die BVG ein "Winter-Halbjahresabo" einführen.

Bei beiden Angeboten sträubt sich allerdings noch die S-Bahn, die Einnahmeverluste befürchtet. Ihrer Ansicht nach würden nicht nur neue Kunden erreicht. Auch viele Stammkunden würden auf die billigeren Angebote umsteigen. Die S-Bahn würde lieber auf Preiserhöhungen verzichten. Die neuen Angebote sollen dem Senat die Zustimmung zu den geplanten Tariferhöhungen schmackhaft machen. Neue Angebote gehören auch zu den bisherigen Koalitionsabsprachen.

Unter "Power Pricing" versteht die BVG "Preisfindung und gegebenenfalls Preisreduzierung für ein ausgewähltes Tarifangebot durch die Mobilisierung zusätzlicher Käufer für dieses Angebot". Dabei denkt die BVG auch an Internet-Auktionen. Im Prinzip ist das Verfahren einfach. Der Verkehrsbetrieb will eine Einnahme in einer bestimmten Höhe erzielen und benötigt dafür eine feste Zahl von Käufern. Finden sich mehr Käufer, kann der Preis sinken, wenn die Einnahmehöhe insgesamt unverändert bleiben soll.

Das neue "Winter-Halbjahresabo" soll von Oktober/November bis April gelten und günstiger sein als der Kauf von Monatsmarken. Während beim Jahresabo der Käufer den Preis für zehn Monate zahlt, schwebt der BVG beim Halbjahresabo ein Preis von knapp über fünf Monatsraten vor. Durch die Zusammenarbeit mit dem ADAC, der dieses Projekt vorangetrieben hat, verspricht sich die BVG ein Eindringen in einen Kundenkreis, der bisher für Fahrten mit Bahnen und Bussen "weitgehend resistent" war. Das Angebot ist an keine Organisation gebunden und gilt auch für Nicht-ADAC-Mitglieder.

Wieder eingeführt wird auch die im vergangenen August auf Drängen der BVG abgeschaffte Kleingruppenkarte. Mit ihr können bis zu fünf Personen in der Stadt und im Umland die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Zuletzt kostete die Karte fürs Stadtgebiet (Tarif AB) 21 Mark und einschließlich Umland (ABC) 25 Mark. Der neue AB-Preis soll 15 Euro (29,25 Mark) betragen, der ABC-Preis auf 16 Euro (31,20 Mark) steigen.

Bevor die Preise im August klettern, werden die Fahrten von Januar an zunächst etwas billiger. Mit der Euro-Einführung runden die Verkehrsbetriebe die Preise grundsätzlich ab. Im August sollen sie dann durchschnittlich um drei Prozent steigen. Grundsätzlich soll der Preissprung bei Fahrten ins Umland höher ausfallen als bei den Tarifen innerhalb der Stadt, weil im Stadtgebiet die Preise bereits relativ hoch sind, während sie um Umland - noch - weit günstiger sind.

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