Berlin : „Jeanett“ versetzt die Stadt in den Ausnahmezustand

Schon in den ersten Stunden fast 500 Sturmeinsätze von Feuerwehr und Polizei / U-Bahnzug durch umstürzenden Baum beschädigt

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Ein durch einen umgestürzten Baum schwer beschädigter UBahnzug, eine unterbrochene S-Bahnlinie, Straßensperrungen wegen umgewehter Baugerüste und umgeknickter Bäume – das waren die ersten Schäden des Sturmtiefs „Jeanett“, das in der vergangenen Nacht über die Stadt hinwegzog und bei Redaktionsschluss seinen vorausgesagten Höhepunkt noch nicht erreicht hatte. Die Feuerwehr, die nach den Warnungen der Meteorologen auf jede Menge Arbeit vorbereitet war, rief um 19.40 Uhr den Ausnahmezustand aus.

Zu diesem Zeitpunkt herschte im gesamten Stadtgebiet bereits Windstärke 9 /10, mit steigender Tendenz . Am Potsdamer Telegrafenberg und in Buch wurden zwischen 19 und 20 Uhr bereits 107 km/h gemessen, das ist Windstärke 11. Am Wannsee waren es da aber schon vereinzelt Spitzen in Orkanstärke: 124 km/h, also Windstärke 12. Tanja Lamprecht vom Wetterdienst Meteomedia sagte, dass mit dem Höhepunkt des Sturms erst zwischen 22 und 4 Uhr zu rechnen sei. Sogar der Berufsverkehr am Montagmorgen kann noch betroffen sein.

Der Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr hatte sich allmählich angedeutet: Zwischen 18 und 19 Uhr waren es bei der Polizei nur 31 Einsätze, um 22 Uhr bereits 255. Die Feuerwehr hatte bis 22 Uhr 228 Einsätze, davon 100 wegen umgestürzter oder abgebrochener Bäume, 109 wegen loser Bauteile und 19 zur Erkundung. Zumindest in einem Fall kam es auch zu Personenschaden: In der Wörther Straße in Prenzlauer Berg trafen Bauteile einen Passaanten und verletzten ihn so schwer, dass er ins Krankenhaus musste.

Gegen 19.30 hatte es den ersten großen Alarm gegeben: Auf der U-Bahnlinie 1 zwischen Oskar-Helene-Heim und Thielplatz war ein Baum auf einen Zug gestürzt. Das Fahrerabteil wurde schwer beschädigt, Personen wurden nicht verletzt. Die Fahrgäste wurden von BVG-Personal zum Bahnhof Thielplatz zurückgeführt, der Zug konnte erst im späteren Verlauf des Abends geborgen werden. Die BVG setzte zwischen Breitenbachplatz und Krumme Lanke Schienenersatzverkehr ein.

Auch die S-Bahn bekam den Sturm zu spüren: Die Linie 1 wurde etwa zur gleichen Zeit zwischen Birkenwerder und Hohenneuendorf durch einen umgestürzten Baum blockiert, auch hier gab es Busse als Ersatz. Doch die Buslinien waren ebenfalls teilweise mehrmals unterbrochen, weil Äste oder Bäume die Straßen blockierten. Auf dem Mariendorfer Damm in Tempelhof schließlich unterbrach ein umgerissenes Baugerüst den Verkehr, es kam zur Vollsperrung.

Bis zum Abend hatte sich „Jeanett“ noch zurückgehalten. Das Sturmtief, dessen erste Ausläufer den Meteorologen zufolge Berlin bereits gegen 16 Uhr erreichen sollten, kam langsamer voran als zunächst erwartet. Dennoch: Die Feuerwehr war vorbereitet, dass Sturmböen mit bis zu 130 Stundenkilometern über die Stadt hinwegfegen sollten. Noch am Sonntagnachmittag hatte eine Meteorologin des Wetterdienstes Meteomedia gewarnt: „Es muss mit erheblichen Sturmschäden gerechnet werden.“ Bei der Berliner Feuerwehr herrschte am Sonntag gegen 17 Uhr noch die Ruhe vor dem Sturm. Lediglich zwei Einsätze in Spandau und Britz waren zu verzeichnen. Erste Vorboten des erwarteten Sturmtiefs gab es aber bereits am Sonnabend: Ein 51-jähriger Mann wurde von einem einstürzenden Baugerüst am S-Bahnhof Treptower Park verletzt. ac/weso

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