Berlin : Jeanette-Wolff-Heim: Zaun als Abschreckung

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Der Bürgersteig in der Dernburgstraße ist aufgewühlt. Ein Kran setzt mächtige Betonfertigteile ab. Anwohner beobachten die Arbeiten mit Verwunderung. Die Betonteile gehört zum Fundament für den neuen Zaun des jüdischen Altersheims. Vor der Einrichtung wacht zudem ein Polizist. Meike Bergner hat ein ganz schlechtes Gefühl, wenn sie auf ihre Straße blickt: "Der Zaun erzeugt Aggressionen", fürchtet die 60-Jährige. "Da kommen rechte Verrückte doch erst auf die Idee, dass hier Menschen leben, gegen die sie etwas haben." Das Jeanette-Wolff-Heim und das benachbarte Leo-Baeck-Heim, die ebenfalls einen Zaun bekommen, wirkten jetzt "wie Gefängnisse", sagt Bergner. Das verunsichere die alten Menschen genauso wie die Anwohner. "Jahrelang haben wir friedlich miteinander gelebt, und jetzt wird der Anschein erweckt, als müssten die Bewohner der Heime vor uns geschützt werden."

Die Jüdischen Gemeinde zu Berlin, die die beiden Altersheime verwaltet, habe Vertrauen zu den Anwohnern, bekräftigt Meir Piotrkowski, Sicherheitsdezernent im Vorstand der Gemeinde. "Aber die vergangenen Monate haben uns leider gezeigt, dass wir nicht allen Menschen trauen können." Der Zaun solle Gewalttäter abschrecken und den Bewohnern auch Schutz garantieren. Das Sicherheitskonzept wurde von der Jüdischen Gemeinde zusammen mit dem Senat entwickelt. "Ich verstehe das Unbehagen der Anwohner", sagt Piotrkowski. Aber nach den Schändungen jüdischer Symbole und Einrichtungen habe man reagieren müssen, "damit wir ruhig schlafen können".

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