Berlin : Jeans ohne Teens

Levi’s feierte sich selbst mit einer Modenschau im Postbahnhof

S.N.

Mode kommt von der Straße, schön und gut. Aber dann muss Gestaltungswillen her, der über das Nachäffen schlechten Geschmacks hinausgeht. Levi´s, eine Marke, die weiß Gott mit einer großen Tradition und sogar einer gewissen Eleganz für sich werben könnte, lud am Dienstagabend anlässlich ihres 150-jährigen Jubiläums zum reinsten Ramschverkauf der eigenen Werte. Seit Mitte der Neunziger kämpft der Ex-Jeansgigant ums Überleben, denn die 501, bis dahin der Prototyp der Jeans, wird von den Jungen als Papas Klamotte abgelehnt. Der Versuch, sich der Jugend anzunähern, erschöpfte sich auf der Schau im ehemaligen Postbahnhof jedoch in einer Parade lumpig angezogener Menschen ohne Charme und Sexappeal.

Es gab zerrissene, verschlissene Stoffe, an denen sich andere Designer längst satt gesehen haben, das Fieseste der Achtziger mit pink-schwarzen Ringelstrumpfhosen zu hellen Pumps, lappigen Jeans und Oberteilen, die extra schlecht saßen. Wer will aussehen wie 14-Jährige, die ständig an ihrer Hose zerren, damit der Hosenboden einerseits möglichst zwischen den Kniekehlen hängt, der Bund dabei aber nicht vollends über den Hintern rutscht? Wen sollen Kerle ansprechen, die sich mit oder ohne Baseballschläger auf dem Laufsteg Schaukämpfe liefern? Und die Mädels im achtziger Jahre-Bilka-Look, soll mit denen die Vision von Sozialamt, schlechter Ernährung und null Zukunftsaussichten verkauft werden? Dazu drang aus den Lautsprechern ein Gebrüll, dass einem schier die Ohren vom Schädel fielen.

Zur Party waren Gäste aus ganz Europa eingeflogen worden. Bier und Wodka-Cocktails flossen in Strömen, die Häppchen wurden dem bemerkenswert stoischen Servicepersonal gleich am Kücheneingang von den Tabletts gerissen, als Animation schwangen in schönster Pornomanier in Leder gekleidete Damen Funken sprühende Pseudo-Schweißgeräte. Auf dem Heimweg wirkten selbst die Sitzpolster in der S-Bahn vergleichsweise schön.

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