Berlin : Jede Menge Asche: Tennis für Flutopfer

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STADTMENSCHEN

Im Grunewald, dort, wo die Villen nachts ihre hölzernen Lider schließen und die Polizisten an der Straßenecke freundlich grüßen, fand gestern im LTTC Rot-Weiß Tennisclub ein Turnier für den guten Zweck statt. Im Clubhaus, im Restaurant „Grand Slam“, lagerten auf dicken Teppichen und ledernen Sesseln die Sporttaschen, ein Buffet lud zum Frühstück, und die Teilnehmer des 5. Mercedes Open-Air -Cup warteten im weißen Tennisdress auf ihren Einsatz auf dem roten Ascheplatz.

Aber noch ist nicht ausgelost, wer gegen wen spielen wird. Im VIP-Bereich riecht es nach Grill, auf jedem Tisch ist im Blumenschmuck ein giftgelber Tennisball dekoriert. Heidi Hetzer, Berlins personifizierter Opel, unterhält sich mit einem Brauereivertreter. Ansonsten ist es hier noch recht leer, denn eigentlich warten alle auf den Schaukampf von Boris Becker und Michael Stich am Nachmittag (siehe Sport-Teil dieser Ausgabe). Erst gegen Mittag ist vor lauter neugierigen Berlinern kein Durchkommen mehr. Aber jetzt beginnt das Prominenten-Doppel der Autobauer. Jörg Schönbohm und Peter Ristau verlieren flugs und 5:1 gegen Frank-Peter Muschiol, den Präsidenten des Konkurrenzclubs Blau-Weiß und Walter Müller, den Direktor der Mercedes-Benz-Niederlassung Berlin. Schönbohm hatte einen Ball in die Zuschauermenge geschlagen. „Entschuldigung, versprungen“, rief er. „Das kostet eine Wählerstimme“, rief jemand vom Platzrand. Walter Müller hatte sich diesen schnellen Sieg nicht träumen lassen und klopfte Schönbohm trotzdem anerkennend auf die Schulter.

Und da in diesen Zeiten das Ziel eines Turniers die Bekämpfung der Flut und ihrer Folgen sein muss, überreichte Schönbohm dem Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg einen Spendenscheck über 5000 Euro. Weiß ist die Farbe des Tennis, und so waren auch die Kochmützen weiß, wie der Kies zwischen den Hecken, weiß die Basecaps, die Frotteearmbänder der Spieler, die Werbezelte, die Hüte und einige Hündchen. Weiß waren die Kleider und weiß die Westen.

Boris Becker war noch nicht drin. Einige tausend Berliner schon. ded

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