Berlin : Jede Menge Auf-Reh-gung

Zwei Bambi-Partys, eine Bond-Fete – die Stars waren zwei Tage im Dauerstress

Deike Diening[Björn Seeling],Andreas Conr

Fotografen, die man als besonnene Menschen kennt, schreien hysterisch die Vornamen: „Anastacia!“ – „Barbara!“ – „Iris!“ – „Nadja!“ – einzig Verleger Hubert Burda wird „Herr Doktor“ gerufen. Es ist Bambi-Verleihung im Convention-Center des Neuköllner Hotels Estrel.

Kann man 20 Minuten für 20 Meter brauchen? Barbara Becker kann. Die Ex-Frau des Ex-Tennisstars hat jetzt Anastacia eingeholt, die lange vor ihr gestartet war. Die Popsängerin hat eine überschminkte Narbe am Bauch, ein Kleid wie aus Flohmarktstrick, eine orangefarbene Brille, und ihre Pressefrau hält sie die ganze Zeit an den Maschen fest. Otto Waalkes hat noch seine Strickmütze in der Hand: „Hier bitte, hier bitte, hier bitte!“ rufen die Fotografen wie die Marktschreier. Schauspielerin Ruth Maria Kubitschek kommt in lila Samt – jetzt geht es Schlag auf Schlag. „Verona! Verona!“ Feldbusch trägt „big hair“, und, oh Gott, an dieser Frau sind selbst die Lider vergoldet. Klaus Wowereit grüßt, und sein Freund Jörn Kubicki hält das Bärtchen in die Kameras. Dies, das wissen wir nun, ist eine Veranstaltung, bei der ein Promi-Friseur mehr Aufmerksamkeit erhält als Angela Merkel . Dabei trägt die CDU-Chefin eine strahlend pinkfarbene Bluse. „Die Regierung versteckt sich heute“, sagt jemand.

Jede Menge Fotos gehen drauf für Uschi Glas, Sänger Sasha trägt ein braun-gestreifetes Sakko mit Gürtel - beinahe wie ein Bademantel. Hannelore Elsner zieht vorbei, und als Nena kommt, kann man kaum sehen, was sie anhat. Nadja Auermann trägt ein Kleid von Gucci, aber da gab’s nicht viel Stoff fürs Geld. Und dann ganz zum Schluss kommt Michael Jackson ohne Jacke, die hat er nämlich versteigert.

Das war Mittwochabend im Adagio-Club am Potsdamer Platz. Da stand er im schwarz-weißen Anzug, mit dem er schon den Zoo besucht hatte, auf der Bühne . Mit zarter Stimme begrüßte er die Gäste der Benefizparty, auf der seine 20 Kilo schwere Glitzerjacke zugunsten von Straßenkindern versteigert werden sollte. Mit Brille auf der Nase verlas er eine Erklärung, in der er die Gründung einer Stiftung für obdachlose Kinder ankündigte – sprach’s und entschwand. Zurück blieben die Gäste, die sich ein mittelschweres Bietergefecht um den Jackson-Strass lieferten. Bei 16 000 Euro – zahlbar auf das Spendenkonto der Volksbank Villingen-Schwenningen – fiel der Hammer: Schlagerproduzent Ralph Siegel (verantwortlich für das letzte Grand-Prix-Desaster) konnte endlich wieder mal einen Sieg verbuchen. Die Jacke will er sich aber nicht anziehen, sondern als Glücksbringer beim nächsten europäischen Trällertreffen verwenden. Sie ist ihm sowieso zu klein. Nur seine Freundin darf schon mal probeweise hineinschlüpfen.

Das beliebteste Spiel des Abends aber war Partyhopping. Barbara Becker, Schauspieler Horst Buchholz, Multitalent Kim Fisher und mancher andere guckte vor der Adagio-Party noch rasch bei Bond vorbei. 1750 Gäste hatten sich im Cine-Star unterm Sony-Zelt versammelt, um die Premiere von „Stirb an einem anderen Tag“ zu erleben, mit Pierce Brosnan, Halle Berry und Rick Yune und Regisseur Lee Tamahori. Nachdem diese die Bühne geräumt hatten, kamen allerdings statt Bond erst mal drei Trailer zu künftigen Filmen der Twentieth Century Fox, eine bei Premieren ungewöhnliche Art, um die Vorfreude zu erhöhen. Mit Bussen ging es danach an den Gendarmenmarkt zur Party. Der Film spielt teilweise auf Island, wo sich der Oberschurke einen Eispalast gebaut hat. Das prägte die Dekoration: Mittels Projektionen schien auch das Schauspielhaus wie in Eis erstarrt, sehenswert wie der Aston Martin und der Jaguar, die von echtem Raureif glitzernd davor geparkt waren, ersterer in ziviler Version, letzterer mit einem Maschinengewehr filmgerecht aufgerüstet.

Eisig ging es auch im Innern zu: Im Hauptsaal waren alle Stühle rausgeräumt, auf der Bühne tropfte eine Eiswand, die alsbald, nach tickendem Countdown, von einer Showtruppe zerlegt wurde: Dahinter noch einmal in Eis das 007-Logo, das die Kapuzenmänner mit einem Gasbrenner traktierten. Später führten sie auch einige Säbelübungen auf, was die Spieler an den zwei Roulette-Tischen im Hintergrund aber kalt ließ. Auch die Spielbank wollte nicht abseits stehen an diesem Abend, hatte doch Bond oft genug bewiesen, das Glück im Spiel und in der Liebe einander nicht ausschließen.

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