Berlin : Jedem sein Berlin

Heute beginnt die ITB. Wie die Gastgeberstadt in aller Welt vermarktet wird

Stefan Jacobs

Aus Österreich sind bisher keine Fälle von WM-Fieber gemeldet worden. In Zeiten, in denen die Aufregung über das Großereignis weite Teile der Welt erfasst, hat das selbst die Werber von der Berlin Tourismus Marketing Gesellschaft (BTM) überrascht. Die haben jedenfalls kürzlich auf einer Reisemesse in Wien vergeblich versucht, Berlin-Begeisterung für die Fußballweltmeisterschaft auszulösen.

Auf dem Messegelände am Funkturm beginnt heute für Fachbesucher die Internationale Tourismusbörse (ITB). Auch wenn Reiseprofis unter sich sind, versuchen sie, Klischees mal zu pflegen, mal zu vertreiben. Und sie werben maßgeschneidert, denn dasselbe Reiseziel muss in verschiedenen Ländern unterschiedlich vermarktet werden – auch Berlin, nach London und Paris die drittbeliebteste Stadt bei Touristen in Europa. Die BTM bewirbt Berlin über eigene Büros in den USA, Außendienstler auf mehreren Kontinenten und regionale Spezialisten in der Zentrale. „Zu den absolut fußballaffinen Ländern gehört Italien“, berichtet BTM-Sprecher Christian Tänzler. Spanier seien vor allem shopping- und genussorientiert, „die wollen genau wissen, wo die trendy Orte sind“ – von Clubs über Kneipen und das Goya bis zum Gourmet-Theater „Belle et fou“. Doch auch die Mischung aus alter und neuer Architektur und das viele Grün locke Spanier in die Stadt. Briten dagegen seien „sehr auf Geschichte fixiert“: Nazizeit, Mauerbau, Wende.

Bei Schweden und Norwegern gilt Berlin als Einkaufsparadies – also wird für „Winterzauber“ und lange Shoppingnächte getrommelt; das Berliner Preisniveau ist Skandinaviern mit ihren Mehrwertsteuersätzen von bis zu 25 Prozent ohnehin sympathisch. „Für die Dänen ist Berlin eher eine Kulturmetropole“, sagt Tänzler. Also werde gezielt für Wochenendtrips zu Events geworben – wobei die Berliner Museumsnacht auch noch in weiter entfernten Ländern gefragt sei.

Die größten Fans klassischer Hochkultur kommen aus Japan: Gut informiert und hoch gebildet seien sie; Namen wie Barenboim und Rattle seien ihnen absolut geläufig. Chinesen dagegen seien „die Gruppe, die in möglichst kurzer Zeit möglichst viel erleben will“. Also schnürt die BTM ihnen extra pralle Pauschal-Pakete.

Bei den Amerikanern sei das Bild gemischter. Viele seien speziell an den Spuren jüdischen Lebens interessiert, manche – vor allem aus San Francisco – kämen vor allem wegen der Schwulenszene. Wieder andere hätten ein verklärtes Bild vom Berlin der 20er Jahre im Kopf. Dann staunten sie, wie modern die Stadt sei, und resümierten: „It’s different, but beautiful.“

Die ITB ist für Privatleute am Freitag von 13 bis 18, Samstag und Sonntag 10 bis 18 Uhr geöffnet. Infos: www.itb-berlin.de

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