• Jeden Monat neue schwindelerregende Verluste Milliardengrab: Bankgesellschaft findet keinen Weg aus der Krise

Berlin : Jeden Monat neue schwindelerregende Verluste Milliardengrab: Bankgesellschaft findet keinen Weg aus der Krise

Ralf Schönball

Die Bankgesellschaft Berlin bleibt ein Fass ohne Boden – obwohl die Steuerzahler im vergangenen Jahr 1,7 Milliarden Euro in den Konzern pumpen musste, und obwohl das Land Berlin dem Geldinstitut alle Risiken für seine skandalumwitterten Fondsgeschäfte abgenommen hat. Die Haftungssumme beträgt 21,6 Milliarden Euro. Und in diesem Jahr türmen sich die Schulden auf die schwindelerregende Höhe von 569 Millionen Euro.

Den neuen Bankenchef Hans-Jörg Vetter ficht das nicht an. Er sieht die Sanierung seines Hauses auf gutem Wege. Dabei hat die Bankgesellschaft drei Monate vor Jahresende schon wieder fast eine halbe Milliarde Euro verloren, weil die Umsätze unaufhaltsam einbrachen. Nahezu im Monatstakt wird die aktuelle Höhe der Verluste nach oben korrigiert.

So hatte Bankchef Vetter über seine Presseabteilung zum 30.August mitteilen lassen, dass die Bank nur kleinere Verluste zu beklagen habe.

Damals erklärte der Optimist: „Die beschlossenen Maßnahmen zur Kostensenkung kommen im zweiten Halbjahr verstärkt zur Geltung.“ Keine drei Monate später musste der Konzernchef aber heftig zurückrudern: Er gab zu, dass sich die zunächst geringen Verluste seiner Bank mehr als verdreifacht hätten. Denn nachdem der Tagesspiegel berichtet hatte, dass mit Hilfe von Buchungstricks hohe Verluste beim Handel mit Wertpapieren an der Börse verschleiert worden waren, musste die Bankgesellschaft die verlorenen Millionen umgehend offen legen. Das verhagelte ihr erheblich die Bilanz und war nicht mehr zu korrigieren.

Diese kuriosen Buchungen hatte Norbert Pawlowski auf Nachfrage verteidigt. Pawlowski ist beim landeseigenen Geldhaus der Herr der Zahlen, der „Chefcontroller“. Und er diente bereits unter Vetters Vorgänger Wolfgang Rupf.

Gerade dem früheren Konzernchef werden aber schwere Managementfehler zur Last gelegt. Doch erst Monate nach seinem Ausscheiden wurde ihm deshalb die vertraglich vereinbarte Fortzahlung der Bezüge wieder gestrichen.

Im Unterschied zu Rupf konnte sich Pawlowski bisher stets der Verantwortung für das Desaster der Bankgesellschaft entziehen. Und doch hat er nach Ansicht von Wirtschaftsprüfern bei der Kontrolle der Milliardenrisiken versagt.

Die dramatischen Zustände in seiner Abteilung schilderten Experten von Price Waterhouse Coopers vor dem Kontrollgremium der Bank bereits am 17.Mai 2002. Da hieß es beispielsweise:

„Ein umfassendes, alle Risikoarten betreffendes Risikomanagementsystem existiert derzeit noch nicht.“ Im Klartext heißt das: Niemand weiß bis heute genau, wie hoch sich die Verluste noch auftürmen werden. Es gibt nur Spekulationen. Insidern zufolge ist allerdings mit etlichen weiteren finanziellen Überraschungen zu rechnen.

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