Berlin : Jeden Tag ein paar Lebenszeichen Michael Havemann leitet die Suche der Polizei

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An seine Abteilung knüpfen sich viele Hoffnungen: Kriminaloberrat Michael Havemann leitet seit zwölf Tagen die Sonderkommission „Seebeben“ des Landeskriminalamtes. Im Gespräch mit Christoph Stollowsky zieht er eine erste Bilanz seiner Arbeit.

Sie haben heute die erste Tote aus Berlin offiziell bestätigt. Zugleich stellte sich aber heraus, dass fünf weitere bisher vermisste Berliner überlebt haben. Wie viel Hoffnung bleibt Ihnen noch?

Pessimistisch sollten wir noch nicht sein. Dagegen spricht unsere Statistik. Es tauchen ja immer wieder Vermisste lebendig auf. Allerdings müssen wir uns auch eingestehen: Solche kleinen Wunder werden immer unwahrscheinlicher.

Angesichts des Ausmaßes der Katastrophe mussten Sie über Nacht eine möglichst lückenlose Suche starten. Lässt sich Ihr Suchsystem noch verbessern?

Ein Ereignis mit einer solchen tragischen Dimension haben wir hier noch nie erlebt. Doch unsere lokale und weltweite Zusammenarbeit mit allen Helfern ist schon in hohem Maße perfektioniert. Das Engagement aller Mitarbeiter ist überwältigend. Alleine in unserer Sonderkommission gehen 30 Kollegen jedem Vermisstenhinweis sofort nach.

Was gehört zu den ersten Aufgaben?

Sie besuchen Angehörige oder Freunde des Vermissten und nehmen in dessen Wohnung Fingerabdrücke, sammeln Haare oder Zahnbürsten, um DNA-Spuren sicherzustellen. Eine wichtige Adresse ist auch der jeweilige Zahnarzt: Das Zahnschema eines Vermissten kann bei der Identifikation hilfreich sein.

Wie lange wird IhreKommission arbeiten?

Das kann noch viele Monate dauern. Wir setzen die Suche ja auch fort, wenn keine Hoffnung mehr auf Überlebende besteht. Aber zurzeit bekommen wir ja Gott sei Dank noch jeden Tag ein paar neue Lebenszeichen.

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