Berlin : Jeden Tag Silvester: im Dresdener Bahnhof, im Hyatt-Schwimmbad, im WMF

Matthias Oloew

Auf welche Party gehen wir? Die Frage kennt jeder. Immer wenn Silvester ansteht, wiederholt sich das Ritual: Bloß nicht zu früh festlegen, alles offenhalten, und möglichst kurz vor Schluss entscheiden, welche Party die wichtigste ist. Auf der Berlinale ist jeden Tag Silvester. Zum Beispiel für Volker Schlöndorff. Der Regisseur kriegt die Einladungen bündelweise auf den Tisch, denn das Filmfest ist ein Feier-Marathon. Jeden Tag überschneiden sich die Termine.

In der Nacht zu Dienstag ist die Feierlaune mal wieder besonders groß. Schlöndorff entscheidet sich zum Auftakt gegen 22.30 Uhr für die Party des Filmboards Berlin-Brandenburg. Die Filmförderer (Leitspruch: "Wir geben mehr als Geld") um ihren Chef Klaus Keil hatten in die mittlerweile wieder hinlänglich als Dresdener Bahnhof bekannte ehemalige Parkgarage der Paketpost am Gleisdreieck geladen. Den Partyort hat die Multimedia-Firma Pixelpark durch eine Betriebsfete eingeführt. Und für die Berlinale am neuen Ort liegt der Dresdener Bahnhof denkbar günstig. Abseits vom geschäftigen Festivalrummel, aber doch zu Fuß zu erreichen. Wäre aber gar nicht nötig, denn einer der Sponsoren des Abends stellt dunkle A-Klasse-Wagen zur Heimfahrt kostenlos zur Verfügung.

Zur Party der Filmförderer kommen alle, die gefördert werden wollen. Claus Boje zum Beispiel, Chef des Delphi-Filmverleihs und Produzent der Detlev-Buck-Filme. Mit dabei auch Wim Wenders, Moritz de Hadeln, Michael Gwisdek und Senator Wolfgang Branoner. Aber kaum hat die Party richtig angefangen, kaum hat Keil die nötigen Worte zur Eröffnung der Buffets gesprochen, da ist Schlöndorff schon wieder verschwunden. Er hat sich offenbar die anstrengende Silvester-Variante entschieden: Partyhopping, überall kurz vorbeischauen.

Zum Beispiel im Hyatt-Hotel. Da stehen einige Gäste zu mitternächtlicher Stunde beim Sekt im Foyer, und drücken sich am Fahrstuhl herum, der geradewegs in den Fitness-Club und das Schwimmbad führt. Die Party zum Wettbewerbsfilm "Magnolia" findet hier oben auf dem Dach des Hotels statt. Schwimmen ist zwar erlaubt, aber davon macht dann doch niemand Gebrauch. Lieber Margarita-Schlürfen mit Blick über die Dächer der Stadt, oder dem Beispiel von Maria Schrader folgen und in der - für den Abend - stillgelegten Sauna am Obstbüffet knabbern. Oder Sushi-Essen, wie Cherno Jobatey, und dabei auf die Hanteln im Fitnessbereich schielen. Statt planschender Badenixen gibt es Schlauchboote, mit denen im Pool gerudert werden darf.

Bis morgens um vier hat der Filmverleih Kinowelt Bad und Sauna gemietet. Dann muss schnell saubergemacht werden. Denn morgens ab fünf kommen hier die ersten Gäste zum Schwimmen, zum Beispiel Finanzminister Hans Eichel. Das alles beeindruckt Volker Schlöndorff nicht. Er dreht nur eine kurze Runde, um dann mit dem Fahrstuhl wieder zum nächsten Termin zu hetzen. So macht es auch Schauspieler Jürgen Vogel, der sich jetzt zu den Filmförderern aufmachen will. Auch für Vogel ist Silvester.

Im Hyatt wird zur gleichen Zeit auch im Ballsaal getrunken und geredet. Beim Medientreff sehen sich Boxer Axel Schulz und Sabine Christiansen, und auch Volker Schlöndorff sieht so aus, als ob er jetzt dorthin geht. Im Bovril am Kurfürstendamm ist wieder Heimstatt für den Empfang von Kinobetreibern und Schauspielern. Die "independent Cinemas", die vor einigen Jahren noch Off-Kinos hießen, laden ins WMF, das in diesen Tagen seine Pforten am Friedrichstadtpalast schließt. Hier sammeln sich die Nachteulen, die ihr Berlinale-Silvester an diesem Morgen eher konventionell beenden wollen, auf der Tanzfläche oder in der verrauchten Lounge zu 80-er-Jahre-Musik.

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