Berlin : Jeder dritte Zweitklässler liest schlecht

Tests ergaben mangelhafte Lernerfolge. In Mitte sind sogar 51,6 Prozent der Schüler „schwache Leser“

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In Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln kann knapp die Hälfte aller Zweitklässler nur schlecht lesen. Das ist eins der Ergebnisse der Orientierungsarbeiten, in denen Deutsch- und Mathemathematik-Kenntnisse verglichen wurden. Während berlinweit 34,9 Prozent der Zweitklässler ein schwaches Leseverständnis aufwiesen, waren es in Mitte 51,6 Prozent, in Friedrichshain-Kreuzberg 48,6 Prozent und in Neukölln 47,8 Prozent. Die Auswertung unterteilt die Ergebnisse auch nach Herkunft und Geschlecht. Demnach konnten in Mitte nur 7,6 Prozent der Schüler nichtdeutscher Herkunft gut lesen, schlecht schnitten dagegen 62,8 Prozent ab. Bei den deutschstämmigen Schüler liegen die Werte deutlich anders: 36,4 Prozent gelten als gute Leser, 30,6 als schlechte. In den beiden weiteren Innenstadtbezirken verteilen sich die Kompetenzen ähnlich.

Es sei gut, dass diese Zahlen nun auf dem Tisch liegen, ließ Schulsenator Klaus Böger (SPD) mitteilen. Die Daten werden den ausgewerteten Schulen und bezirklichen Schulaufsichten nun zugeleitet.

Die Vergleichsarbeiten sind nicht der erste Wissenstest. Da bisher aber jeder neue Test andere Kriterien ansetze, könne man deren Ergebnisse nicht vergleichen und daraus herleiten, ob das Schulniveau steigt oder sinkt, hieß es gestern in der Senatschulverwaltung, die in den neuesten Ergebnissen ausdrücklich keinen direkten Zusammenhang zwischen Migrantenanteil und Lernerfolg sieht. Es gebe Schulen mit einem sehr hohen Ausländeranteil, die sehr gut abgeschnitten hätten, sagte Sprecher Jens Stiller und verwies auf einen Fall aus Mitte. An der Schule, die anonym bleiben soll, gibt es mehr als 90 Prozent Schüler nichtdeutscher Herkunft. Als „schwache Leser“ gelten dort aber nur 35,2 Prozent. Als Konsequenz aus solchen Ergebnissen müsse man bei diesen Schulen nach deren Erfolgsrezepten fahnden.

In Neukölln schnitten nur 7,9 Prozent der Schüler nichtdeutscher Herkunft bei dem Lese-Test gut ab, 60,7 Prozent schlecht. In Friedrichshain-Kreuzberg schnitten die Schüler nichtdeutscher Herkunft am schlechtesten ab: 68,8 Prozent sind „schwache Leser“, nur 6,8 Prozent lesen gut. Bei den deutschstämmigen Klassenkameraden verhält es sich andersrum: 40,6 lesen gut, 27,1 schlecht.

Die besten Lese-Erfolge gab es im Bezirk Pankow, wo 43,2 Prozent der Schüler als „starke Leser“ gelten. Auch unter den dortigen Schülern nichtdeutscher Herkunft sind es noch 20,3 Prozent. Zweitbester Bezirk in Sachen Lesefähigkeit ist Steglitz-Zehlendorf mit 39,6 Prozent starken Lesern, gefolgt von Charlottenburg-Wilmersdorf (38,5).

Bei den Mathematik-Ergebnissen entschärft sich der Gegensatz zwischen deutscher und nichtdeutscher Herkunft etwas. Dort stehen beispielsweise in Mitte den 28,3 Prozent der „starken Rechner“ aus deutschen Familien 13,9 Prozent gleich gute Schüler aus Migrantenfamilien gegenüber. In Neukölln bestätigt sich das Ergebnis: Dort schnitten 27,6 Prozent der deutschstämmigen Zweitklässler gut ab und 15,6 Prozent ihrer Klassenkameraden nichtdeutscher Herkunft.

Die Aufschlüsselung der Ergebnisse nach Geschlecht ergab, dass die Mädchen im Lesen besser sind als die Jungs, und im Rechnen die Jungs die Mädchen schlagen.

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