Berlin : „Jeder kämpft für sich“

Grünen-Veteran Michael Cramer über Rot-Rot-Grün

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Sie haben zwei rot-grüne Landesregierungen erlebt und kennen auch die PDS gut. Was wäre Ihre Wunschkonstellation nach dem 17. September in Berlin?

Auf jeden Fall Rot-Grün.

Und das, obwohl Ihre Erfahrungen mit der SPD nicht gerade glücklich waren?

Ja. Wir hätten bei Themen wie Stadtentwicklung oder Bildung gemeinsame Schwerpunkte. Und wir setzen auf Inhalte – anders als die PDS, für die die Beteiligung an der Regierung schon ein Ziel an sich ist. Eine PDS-Handschrift in der Regierung merkt man nicht. Das wäre mit uns anders.

Klingt da noch die Enttäuschung durch, dass die SPD mit der PDS koaliert hat…

Nein. Das hatten Wowereit und Strieder damals so entschieden. Aber die PDS ist an der Macht entzaubert worden. Und sie wird der große Wahlverlierer sein. Wer die PDS an der Regierung verhindern will, wird diesmal Grün wählen.

Und falls nicht? Sind die Gräben zwischen den Parteien überwindbar, falls man doch über Rot-Rot-Grün verhandeln müsste?

Ja. Das Wichtigste sind die Inhalte. Sollten sich PDS und SPD gegen die Grünen verbünden, dann hätten wir es allerdings schwer, uns durchzusetzen.

Aber über ein Dreierbündnis verhandeln würden Sie trotzdem?

Das wird sich zeigen. Aber ich bin fest überzeugt, dass es zu einer rot-grünen Regierung reicht.

Dennoch: Wären die Grünen bereit, mit der PDS gemeinsame Sache zu machen?

Der Hauptpunkt ist, dass wir uns mit der SPD einigen. Unter der Voraussetzung kämen wir mit der PDS ebenso zurecht wie mit der FDP. Aber darüber wollen wir im Moment lieber nicht spekulieren.

Die Grünen haben die SPD immer wieder attackiert. Lässt sich die Gegnerschaft einfach so in eine Partnerschaft umwandeln?

Wir haben eine gesunde Konkurrenz im politischen Wettbewerb, die halten wir aus. Animositäten oder Enttäuschungen spielen da keine Rolle: Wir kennen die SPD inzwischen so gut, dass wir gar nicht mehr enttäuscht sein können.

Wie meinen Sie das?

Wir haben das im Bund wie in Berlin erlebt: Die SPD nimmt keine Rücksicht, es geht um den Streit um Politik und Mehrheiten. Jeder kämpft für seine Inhalte.

Auf einem Plakat empfehlen sich die Grünen als Mittel gegen „Rot“ im Allgemeinen – zugleich wollen sie mit den Roten koalieren. Das klingt zumindest ambivalent.

So ist das in der Politik eben: Erst kommt die Auseinandersetzung im Wahlkampf, dann werden Kompromisse gefunden.

Michael Cramer (57) vertrat von 1989 bis 2004 die Grünen im Abgeordnetenhaus. Seit 2004 sitzt er im Europäischen Parlament in Brüssel.

Das Interview führte

Lars von Törne.

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