Berlin : Jenseits der Knallerei - "Stille" Angebote für das Silvesterfest

kvo

Die kleine Stelltafel ist kaum zu sehen: "Raum der Stille - Room of Silence" steht auf dem Schild vor dem nördlichen Torhauses im Brandenburger Tor. Davor werden die Festbühnen für das Millenniums-Spektakel aufgebaut: Krachend fallen die eisernen Absperrgitter auf die Straße, aus den Lautsprechern dröhnen die ersten Probetöne. 110 Besucher hat Eva Feitel an diesem grauen Vormittag im "Raum der Stille" gezählt. "Normalerweise sind es so um die dreißig in dieser Jahreszeit", sagt die Rentnerin, die im Vorraum die Gäste begrüßt.

"Stille" ist hier allerdings ein relativer Begriff: In dem dunklen Zimmer mit den beigen Vorhängen hört man deutlich die Besucher vor dem Tor, die Aufbauarbeiten und die an- und abfahrenden Transporter. Das Ehepaar aus Thüringen, das sich für eine Viertelstunde in eine Ecke gesetzt hat, ist trotzdem begeistert. "Entspannung mitten im Trubel - das findet man sonst ja nur in der Kirche", sagt die Frau.

Heute und morgen wird es aber auch in den Gotteshäusern lauter als gewöhnlich zugehen: Fast alle größeren Kirchen bieten in der Silvesternacht Gelegenheit zum gemeinsamen Beten und Feiern. Bei Reinhard Stawinski, Pressesprecher der evangelischen Landeskirche, häufen sich die Anfragen nach Veranstaltungen abseits von Stress und Hektik. Das "Haus der Stille", in das die Kirche regelmäßig zu Meditationskursen einlädt, ist für Silvester ausgebucht. Auch bei den Dominikanern im Tiergarten sind einige Besucher untergeschlüpft.

Im Untergrund ist das Angebot dagegen recht einseitig. "Wir machen erst etwas im nächsten Jahr, wenn das Jahrtausend wirklich zu Ende ist", sagt Dieter Arnold vom Verein Berliner Unterwelt, der regelmäßig Führungen durch Bunker anbietet. Insgesamt 900 Plätze gibt es im Bunker der Ausstellung "Story of Berlin" im Kudamm-Karree - wenn die voll ist, dürfte es mit der Ruhe auch vorbei sein.

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