Berlin : Jenseits von Florida: Crockett und Tubbs im Adlon

„Miami Vice“ kommt ins Kino. Die Hauptdarsteller sind auf Werbetour

Andreas Conrad

Man sollte Planungen möglichst nicht kurzfristig ändern. Es bringt nur Ärger. Mussten die Sitzordnung bei der Pressekonferenz zu „Miami Vice“ gestern Mittag im Adlon wirklich noch mal wenige Minuten vor Beginn variiert, Jamie Foxx und Colin Farrell, die Regisseur Michael Mann auf dem Podium flankierten, gegeneinander ausgetauscht werden? Gewiss, das gestaltete die Szene dramatischer, Oscar-Preisträger Foxx saß nun mit dem Filmplakat-Farrell im Rücken und umgekehrt, aber die Haftstreifen der Namensschilder machten diesen Wechsel nicht mit. Erst sank Foxx zu Boden, dann Farrell. Immerhin, an der geschlechtsspezifischen Symmetrie war nicht gerüttelt worden: Ganz außen setzten die um einen Dolmetscher verstärkte Gong Li und die Moderatorin der Fragestunde den Rahmen.

Sonny Crockett und Ricardo Tubbs sind also wieder unterwegs, die beiden Undercover-Agenten, die einst im Fernsehen den Drogendealern von Florida und Umgebung das Leben schwer machten und mit ihren schnellen Autos und coolen, heute modisch etwas fragwürdigen Klamotten das Lebensgefühl der achtziger Jahre mitprägten. Schon damals war Michael Mann dabei, hatte bei der ersten Lektüre des Drehbuchs für den Serien-Pilotfilm instinktiv das Gefühl, dass sich daraus ein prima Kinofilm machen ließe. Aber die Idee war nun mal schon an NBC als TV-Spektakel verkauft worden, bei dem Michael Mann dann als Produzent mit im Boot saß. Gut zwei Jahrzehnte musste er noch warten, bis er als Regisseur prüfen durfte, ob seine Intuition damals richtig war.

Auslöser der jetzigen Verfilmung will Foxx gewesen sein, wie er gestern berichtete. Bei einem Treffen mit Mann, unter dessen Regie er bereits Tom Cruise in „Collateral“ an die Wand gespielt hatte, habe er die Verfilmung angeregt, nicht ohne Hintergedanken: „Ich sagte, es wäre das Coolste überhaupt, davon ein Teil zu sein.“

No smoking! Wären Einwände, Proteste gekommen, wenn Farrell sich wirklich die Zigarette angesteckt hätte, die er sich plötzlich beiläufig aus einer Packung fischte? Aber die strenge amerikanische Schule ließ ihn wohl dann doch innehalten, und er beantwortete statt dessen artig die Frage nach seinem Kontakt zu den realen Agenten, die er zwecks Vorbereitung auf die Dreharbeiten getroffen hatte. Erlebt hat er sie als harte Kerle, die „in ihrem privaten Leben einen hohen Preis zu zahlen haben“ – eine Leistung, für die er nur Respekt übrig hat.

Intensiv wurden er und Foxx von den Beamten trainiert und einmal sogar zu kolumbianischen Rauschgifthändlern mitgenommen, um in der Realität solch einen Drogendeal mitzuerleben – so hatte man es ihnen jedenfalls weisgemacht. „Waffen wurden gezogen, ich dachte, das sei real.“ Erst hinterher habe man sie aufgeklärt: Es war nur eine Trainingssituation.

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