Berlin : Jenseits von Hollywood

Was kleine Kinobetreiber auf der Berlinale machen

Maxi Leinkauf

Andreas Harder klebt im Foyer seines kleinen Kinos „Lichtblick“ an der Kastanienallee in Prenzaluer Berg einzelne Filmrollen mit weißem Tesafilm und rollt sie dann um eine silberne Spule. Er markiert die Stellen, damit man sie später wieder trennen kann. In diesen Tagen tut er das seltener. Es ist Festival. „Eigentlich mag ich die Berlinale nicht. Zu teure Karten und zu viel Hollywood“, sagt er. Aber irgendwas reizt den kahlköpfigen Mann doch daran. „Ich suche mir die kleinen Filme aus. Die spielen wir dann vielleicht bei uns.“ Filme so exotisch wie Noi Albinoi (Island), Faat Kiné (Senegal) oder Belle de Jour (Frankreich) – Streifen fern jeden Mainstreams. Harders Kollegin Astrid Faber geht ausschließlich zur Retrospektive. Sie ist begeistert: „Da laufen Filme wie Easy Rider, die super zu uns passen“, sagt sie. „Weil die ein bisschen gegen das Establishment sind“.

Streifen, die auch im Fsk am Oranienplatz laufen könnten. Dort bleiben die Büros während der Berlinale-Zeit geschlossen. „Wir wollen alle so viele Filme wie möglich sehen“, sagt Christian Suhren vom Kollektiv des Kinos. Sie richten sich so ein, dass wenigstens einer abends an der Kasse steht. „Unsere Arbeit bleibt während der Berlinale also liegen“, sagt Suhren. Seine Kollegen schauen sich schräge, experimentelle Filme an – Streifen ganz nach dem Geschmack des Fsk-Publikums. Nach den Festtagen beginnt der mühselige Alltag. „Wir arbeiten dann erstmal die liegen gebliebenen Berge ab“, sagt Suhren.

Susanne Beermann vom Kreuzberger Eiszeitkino holt dann vermutlich erstmal ihre vielen verschobenen Verabredungen nach. „Jetzt ist doch die einzige Zeit, wo man guten Gewissens ins Kino gehen kann. Wenn ich sage: geht nicht – es ist Berlinale, versteht das jeder. Ob privat oder geschäftlich“, sagt die gebürtige Brasilianierin. Und auch ihr Kino profitiert von dem Festival. „Die Leute sind so im Kinofieber, dass sie auch mehr zu uns kommen“. Beermann sucht sich auf der Berlinale „kleine, feine Forumfilme“ aus. An die großen Produktionen komme sie ohnehin nicht ran. Aber um Panorama kann man sich bewerben. Beermann sieht alles, was nicht massenwirksam ist: Filme aus Israel, Palästina, Lateinamerika. Glamouröse Parties interessieren sie nicht, Filmleute lernt Beermann lieber privat kennen. Wie den amerikanischen Regisseur Alex Wolfe – seinen Film Santo Domingo Blues stellt sie in ihrem Kino am 13. Februar vor, mit anschließender Bachata-Party (Merengue-ähnlicher Tanz).

Aber vorher trifft Beermann bei internen Filmvorführungen auf Leute wie Frank Zilm. Der Geschäftsführer des Kinos „Blow Up“ in Prenzlauer Berg pendelt während der Berlinale zwischen Potsdamer Platz und Kiezkino hin und her. „Einmal im Jahr treffe ich mal Freunde und Verleiher aus ganz Deutschland. Wir sehen Filme, wir reden“, sagt er. Zilm geht nicht zu den Staraufführungen. „Meine erste Wahl sind kleinere, weit entfernte Filme. Sie inspirieren mich“. Sie passen auch in sein Kino.

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