Berlin : Jenseits von Rocky Beach

Seit Jahrzehnten finden die Abenteuer der drei ??? Millionen junger Leser Mit Berliner Hilfe wird jetzt zum ersten Mal eines der Jugendbücher verfilmt

Andreas Conrad

Hüte dich vor dem Tokolosh! Ein bösartiger Dämon ist das, rachsüchtig, heimtückisch, bei Bedarf sogar unsichtbar. Weiß in Südafrika jedes Kind. Ausgerechnet solch ein Monster muss dort auf einer Insel sein Unwesen treiben, wo doch ein allein der Lebensfreude geweihter Freizeitpark entstehen soll. Und wieder ist es nichts mit dem Urlaub, den auch drei junge Detektive aus Rocky Beach, Kalifornien, ab und zu brauchen. Doch Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews kennen ihre Pflicht. Schluss mit Schnorcheln, Sonnenbaden. Tokolosh, nimm dich in Acht!

Rocky Beach? Drei der Kriminalistik ergebene Jungens? Kombiniere: die drei ??? Die berühmtesten Detektive seit Philippe Marlowe, Hercule Poirot und Miss Marple. Millionen meist junger Anhänger weltweit haben ihre Abenteuer als Bücher und Hörspiele verschlungen, neuerdings kann man dank Langnese sogar Drei-???-Eis lecken. Seltsam, dass Justus, Peter und Bob nie den Weg ins Kino oder Fernsehen fanden, aber das ändert sich nun, mit finanzieller, technischer und personeller Unterstützung aus Berlin.

In Kapstadt und der weiteren Umgebung finden bis Anfang Mai die Dreharbeiten zu „Die drei ??? und das Geheimnis der Geisterinsel“ statt. In 50 Drehtagen wird dort unter der Regie von Florian Baxmeyer „The Secret Of Skeleton Island“ verfilmt, erstmals 1966 in den USA erschienen, das sechste Buch der zwei Jahre zuvor gestarteten Reihe, noch von ihrem Schöpfer Robert Arthur verfasst. Hinter der Kamera steht Peter Krause ( „Sonnenallee“ ) wie Set Designer Albrecht Konrad und Produktionsleiter Dieter Stempnierwsky kommt er aus Berlin. Damit das Projekt vom Medienboard Berlin-Brandenburg unterstützt wurde, genügte das natürlich nicht. In Berlin aber, bei der Firma tvt, erhält der Film seine Visual Effects, hier werden die bei den zahlreichen Stunts vor einer grünen Leinwand gefilmten Schauspieler in die südafrikanische Landschaft eingefügt, die Szenerie des Tafelbergs beispielsweise, der von einem zweiten Kamerateam separat aufgenommen wurde. Auch die so genannte Post Production erfolgt in Berlin, bei der Kreuzberger Firma postperfect.

Gesteuert wird das Projekt allerdings nicht von der Spree, sondern von der Alster aus, bei der Studio Hamburg International Production. Mit einem Budget von 11,5 Millionen Euro ist „Die drei ??? und das Geheimnis der Geisterinsel“ das bislang teuerste Projekt des Studios. Den Erwerb der Rechte beschreibt dessen Chef Sytze van der Laan als einen „sehr langen Leidensweg“. Der Sohn und die Tochter von Robert Arthur – die drei ??? laufen zwar unter dem Markenzeichen Alfred Hitchcock, aber der hat davon nie eine Zeile verfasst – sahen den möglichen Film immer als US-Studioproduktion an, die US-Studios wiederum trauten sich nicht recht ran, weil die Serie ihre größte Popularität nun mal in Deutschland genießt. Zuletzt habe man die beiden Erben doch davon überzeugen können, die Marke von Deutschland aus aufzubauen, mit Blick auf den internationalen Markt aber auf Englisch zu drehen und für die deutsche Version zu synchronisieren, berichtet van der Laan. Zudem konnte man als Verleih den deutschen Zweig von Buena Vista International gewinnen. In das Disney-Konzept von Family Entertainment passen die drei ??? für den Hamburger Studioboss ideal: spannend, aber gewaltfrei, dazu mit gesellschaftlichem Bezug – in diesem Fall helfen die kleinen Detektive einem Mädchen aus den Townships.

In der ursprünglichen Geschichte reisen die drei ??? auf eine Insel an der US-Ostküste, im Film liegt sie vor Südafrika, und insgesamt entfernt sich die behutsam modernisierte Geschichte schon recht weit von der Vorlage. Dennoch sei sie „sehr nah am Kern“, versichert van der Laan, zudem hätten die Erben zufrieden zugestimmt. Insgesamt hat er die Rechte für drei Kinofilme und eine siebenteilige Fernsehserie erworben, mit der Option, die Reihe danach weiterzuentwickeln.

Zu Ostern 2007 soll der erste Film ins Kino kommen, vielleicht also sind die drei Hauptdarsteller schon bald danach Stars. Bislang sind sie hierzulande No-Names, alle knapp über zehn, Kinderdarsteller aus dem Raum Los Angeles. In London hatte man erfolglos nach Bewerbern mit amerikanischem Hintergrund gesucht, fündig wurde man in L. A., wo wieder hunderte von Kandidaten vorsprachen.

Der Film dürfte den Umsatz von Büchern und Hörspielen neu beflügeln, der ohnehin prima läuft. Übersetzt wurden die Geschichten der drei ??? in 23 Sprachen, seit 1968 gibt es sie auch in Deutschland. Zwölf Millionen Bücher der klassischen, an Kinder ab zehn gerichteten Reihe hat der Stuttgarter Kosmos-Verlag seither verkauft, dazu gibt es mittlerweile noch die Reihe „Drei ??? Kids“ für die Jüngeren. In den USA ist die Reihe längst ausgelaufen, seit 1993 schreiben daher deutsche Autoren die Abenteuer weiter. Allein im Februar kamen drei neue Titel heraus, darunter „SMS aus dem Grab“, Hinweis darauf, dass die drei ??? durchaus nicht von gestern sind. Mit Blick auf die WM kam unlängst ein Band „Fußball-Krimis“ heraus, für den 11. April ist eine Ausgabe in amerikanischem Englisch in Arbeit, mit Vokabelhilfe: „Soccer Mania“. Und um noch mehr Mädchen für die Reihe zu begeistern, wird dann auch eine Variante mit drei Girlie-Detektiven in die Buchhandlungen kommen: „Die drei !!!“

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