Berlin : Jetzt das Leben!

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Von David Ensikat

„Na, wie war’s?“ – „Schön.“ – „Was habt ihr denn getan?“ – „Gespielt.“ – „Und was?“ – „Weiß nicht mehr.“ – „Aber schön war’s, ja?“ – „Jahaaa.“ Ungefähr so hat es sich angehört, wenn ich, den Sohn vom Kindergarten abholend, mich für seine Belange interessiert habe. Nicht, dass da eine eisige Sprachlosigkeit geherrscht hätte zwischen uns Männern. Der Mutter, die viel einfühlsamer gefragt haben mag, hat er auch nicht mehr gesagt. Was soll man schon erzählen, wenn immerzu gespielt wird, und wenn’s nur schön ist?

Ab heute ist’s damit vorbei, der Sohn kommt zur Schule. Da tun sie, wie man hört und sich auch dunkel erinnert, zumeist andere Dinge als Spiele spielen. Sie begrüßen die Lehrer im kreischenden Chor, sie schlagen die Hefte auf, warten aufs Klingeln, sie lassen sich Eintragungen geben, versauen mit dem Tintenkiller ihre Aufzeichnungen, sie kloppen sich auf dem Schulhof.

„Na, wie war’s?“, werde ich den Sohn am Abend fragen. Wehe, er sagt nur: „Schön.“ Ich will von Konflikten erfahren, ich erwarte Dramen, ich will Hilfe leisten, Verständnis zeigen, Vater sein! Die Elternversammlungen finden schließlich auch nicht mehr auf Kindergartenstühlchen statt, mit Kakao aus Plastikbecherchen.

Liebe Lehrer! Tut bloß nicht so, als sei in der ersten Klasse alles noch nicht ganz so arg! Beginnt jetzt mit dem Leben, dem ungeschönten! Dann erzählt mein Sohn mir mehr.

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