Berlin : Jetzt fehlt dem Schild nur noch die Straße

Doppelte Ehrung: Vormittags „Helga-Hahnemann-Straße“, abends „Goldene Henne“–Gala

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Was lange währt, wird auch in Mitte manchmal gut. Seit gestern Vormittag hat Berlin dort eine HelgaHahnemann-Straße. Besser gesagt, zunächst nur das Straßenschild – die Privatstraße zwischen Friedrichstadtpalast und Tacheles muss die Fundusgruppe erst noch bauen. Den Fans der 1991 verstorbenen Entertainerin Helga Hahnemann, genannt „Henne“, war es egal – Hauptsache, sie haben im unübersichtlichem Behördendschungel gesiegt. Jahrelang hatten sie Unterschriften für eine Helga-Hahnemann-Straße gesammelt und dazu entsprechend im Bezirksamt Mitte interveniert – erst vor wenigen Wochen hatte „Henne“- Freundin Ulla Klingbeil als wortstarke Anführerin der Initiative deshalb Bezirksbürgermeister Joachim Zeller in seiner Amtsstube „überfallen“.

Gestern waren diese Mühen vergessen, stattdessen herrschte bei allen Beteiligten eitel Sonnenschein. Die Sonne schien auch Helga Hahnemann direkt ins Gesicht – von einem großen Plakat lächelte sie in die Johannisstraße, von der aus das nach ihr benannte Strässlein bis zum Tacheles führen soll. Auf dem 22 000 Quadratmeter großen Grundstück plant der Eigentümer, die Fundusgruppe unter Anno August Jagdfeld, einen Nutzungsmix aus Hotel, Wohnungen und Büros. Insgesamt sollen auf dem Areal 80 000 Quadratmeter bebaut werden – wenn der Bauantrag genehmigt ist und „die wirtschaflichen Umstände es zulassen“, so gestern Karlheinz Maschmeier von Fundus.

Wirtschaftliche Umstände hätten beinahe das neue Straßenschild verhindert. Denn Mittes Baustadträtin Dorothee Dubrau hatte bis zuletzt gegen die Helga-Hahnemann-Straße Einspruch eingelegt: Eine Namensehrung, so ihre Überzeugung, koste 3000 Euro. Gerettet hat die Aktion letztendlich ihr Kollege, Wirtschaftsstadtrat Dirk Lamprecht. Der mobilisierte seinen Wirtschaftskreis Mitte e. V., die 53 Euro fürs neue Straßenschild locker zu machen. Da konnte sich gestern Vormittag dann Bezirksbürgermeister Joachim Zeller ungeschmälert mit allen Anwesenden freuen – darunter Intendant Alexader Iljinskij aus dem Friedrichstadtpalast, in dem die „Henne“ zu Lebzeiten ihre größten Erfolge feierte. Vor allem mit ihren Liedern wurde sie zum gesamtdeutschen Star. Die meisten davon hat Arndt Bause vertont, mit seiner Frau Anngret neben dem Ehepaar Klingbeil einer der Initiatoren der Straße. Den im Februar verstorbenen Komponisten vertrat gestern seine Tochter Karin Güttler. Für Angelika Mann wünschte sich Zeller gestern „später auch mal eine Straße“. Die Sängerin schmetterte einen „Henne“-Song in den Berliner Himmel: „Versuchs mal mit Champagner“. Den gab es am Mittwoch erst spät – zur „Goldenen Henne“-Gala. hema

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