Berlin : Jetzt fehlt nur noch ein Dach

Ohne Risse: Sanierte Ruine der Klosterkirche wurde übergeben

Helmut Caspar

Wenn Bauzäune fallen und Schlüssel übergeben werden, ist das immer ein Grund zum Feiern. Gestern war es bei der Klosterkirche an der Klosterstraße so- weit: Nach jahrelangen Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten kann die Ruine aus dem Zweiten Weltkrieg, noch immer eine Perle der mittelalterlichen Baukunst in Berlin, wieder ohne Gefahr betreten werden.

Lange Zeit verwehrte ein Zaun den Zutritt. Die Mauern bröckelten, der Fußboden war mit Löchern übersät. Landeskonservator Jörg Haspel würdigte gestern bei der Schlüsselübergabe an den Bürgermeister von Mitte, Joachim Zeller, die Leistungen der Gesellschaft für behutsame Stadterneuerung S.T.E.R.N und der von ihr beauftragten Architekten, Bauleute und Restauratoren als einzigartige Rettungstat. Bürgerschaftliches Engagement habe sich gelohnt, ein herausragendes Zeugnis der Architektur-, Kirchen- und Kulturgeschichte kehre nun wieder ins öffentliche Bewusstsein zurück. Die Restaurierungsarbeiten an und in der Kirche, die zum früheren Gebäude des Gymnasiums zum Grauen Kloster gehörte, seien so gut ausgeführt, dass man sie erst auf den zweiten Blick erkenne. Lockere Steine wurden vermauert, Risse geschlossen, das ganze Bauwerk wurde statisch gesichert, die Mauerkrone gegen eindringendes Wasser abgedichtet. Auch Grabsteine hat man restauriert. Außerdem wurde ein behindertengerechter Zugang angelegt. Da auch der Fußboden erneuert werden musste, gingen Archäologen in den Boden und stießen auf stadtgeschichtlich interessante Hinterlassenschaften.

Ein großer Teil der in die Sanierung investierten Summe von 1,365 Millionen Euro wurde privat aufgebracht. Mit 306 000 Euro war die Cornelsen Kulturstiftung Berlin dabei, die seit Jahren Denkmalpflegeprojekte in Berlin und Brandenburg unterstützt. Für Verlegerin Ruth Cornelsen war es keine Frage, den Verfall der Klosterkirchen-Ruine aufzuhalten, für die sie ein besonderes Faible entwickelt hat. „Mein Anliegen ist es, durch Stiftungen weitere Stiftungen anzuregen, denn Eigentum verpflichtet“, sagte sie in der Festveranstaltung und versprach, Berlin und Brandenburg weiter hilfreich mit dieser Art „Daseinsvorsorge“ zur Seite zu stehen.

Schon ab Mai will der Verein Klosterruine e. V. in dem nun wieder gesicherten Bauwerk Open-Air-Ausstellungen zeigen. Wie Projektleiter Manfred Strehlau sagte, sei es Fernziel, auf die Ruine ein Dach zu setzen. Aber erst einmal freue er sich, dass die Klosterkirche wieder ohne Risiko betreten werden kann. Sie bildet den Kernpunkt einer vom Senat geplanten Neubebauung der Brache an der Klosterstraße. Der Bau von Wohn- und Geschäftshäusern soll dem etwas tristen Viertel neues Leben einhauchen. Ein Anfang ist mit der Wiedereröffnung der Klosterkirche gemacht.

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