Berlin : Jetzt geht nicht nur die Post ab

Pünktlich zur Weihnachtszeit haben der Tagesspiegel und das Fachmagazin „kep aktuell“ Preise und Schnelligkeit von Zustelldiensten getestet

Hannes Heine

Die gute alte Post. Wer zu Weihnachten ein Paket verschicken will, denkt häufig zuerst an den ehemaligen Monopolisten. Der Bekanntheitsgrad des Traditionsunternehmens ist unverändert hoch: Bei keinem der Konkurrenten stehen mehr Menschen in der Warteschlange als bei der Post. Dabei ist der Marktführer weder der schnellste noch der günstigste Lieferservice, wenn es um Pakete geht. Der Tagesspiegel und „kep aktuell“, Fachmagazin für Kurier- und Paketdienste, haben gemeinsam sechs Paketdienste unter die Lupe genommen.

Bei jedem Anbieter wurden zeitnah die gleichen Pakete aufgegeben, um Preise und Schnelligkeit zu vergleichen. Beim Preis gibt es einen klaren Sieger: Hermes. Niemand ist so günstig wie die Logistik- Tochter des Otto-Versands. Andererseits wartet man auch länger auf sein Paket, denn anders als alle anderen Wettbewerber verspricht Hermes keine Zustellung innerhalb von 24, sondern nur von 48 Stunden. Auf der Teststrecke zwischen Berlin und Tübingen waren 24-Stunden-Zustellungen aber auch bei den Konkurrenten die Ausnahme. DPD und GLS schafften die mehr als 600 Kilometer gelegentlich noch bis zum nächsten Tag, der Post mit ihrem Zusteller DHL gelang das nie. Jedes Mal lieferte nur der von MBE eingesetzte Paketdienst UPS innerhalb von 24 Stunden quer durch Deutschland. Zwar ist MBE nicht der kostengünstigste Anbieter, insgesamt ist das Preis-Leistungsverhältnis hier aber das beste: Das internationale Unternehmen ist deshalb Gesamtsieger unseres Tests, der keinen Anspruch auf Repräsentativität erhebt.

Schade nur, dass MBE vielen Berlinern unbekannt ist. „MB… was? Habe ich noch nie gehört“, sagt beispielsweise Ursula Rebe, die unserem Tester mit Paketen unter den Armen auf dem Weg zu einer innerstädtischen Postfiliale begegnet ist. Dort und in zentral gelegenen Annahmestellen der Wettbewerber von DPD, GLS, Hermes, MBE und Paketeria gaben wir zwischen dem 23. Oktober und dem 9. November jeweils drei Pakete in Berlin und drei in Tübingen auf. Der Versand erfolgte jeweils in die andere Stadt. MBE und Paketeria wurden wegen ihrer geringen Verbreitung nur von Berlin aus getestet.

Was die Preise betrifft, entziehen sich die verschiedenen Paketshops einem direkten Vergleich. Die einen berechnen den Preis nach Gewicht, die anderen nach Umfang eines Pakets. Für unsere Stichprobe haben wir daher auf die gängigsten Paketgrößen und -gewichte zurückgegriffen. Abgeschickt wurden Sendungen mit knapp zwei, etwa vier und bis zu sechs Kilo Gewicht. Als Verpackung wurden bei der Post Pakete in den Größen M und L gekauft. Die erste Sendung wurde am Morgen in allen sechs Läden zwischen 10 und 12 Uhr, die zweite und dritte Sendung an zwei anderen Tagen nachmittags zwischen 15 und 17 Uhr aufgegeben. Beim Blick auf die Öffnungszeiten wurde übrigens deutlich, dass Hermes und GLS sehr viel länger öffnen als die anderen Anbieter.

Die Test-Pakete gingen an Privathaushalte, die Adressaten arbeiteten tagsüber und waren deshalb meist nicht anzutreffen. Die Ankunft der Pakete konnte durch die hinterlassenen Benachrichtigungskärtchen der Boten jedoch gut dokumentiert werden. Alle 30 Sendungen kamen sauber und unbeschädigt an. Um zu messen, wie lange eine Sendung unterwegs war, wurden nur Werktage inklusive Sonnabend berechnet. Ein Paket, das donnerstags aufgegeben wurde und freitags ankam, hatte also einen Tag Laufzeit. Käme dieselbe Sendung erst am Montag an, wären es drei Tage. In allen getesteten Filialen war das Personal freundlich und kompetent, die Kollegen von der Post waren sogar beim Falten der Pakete behilflich.

Liebhabern der Post sei aber mitgeteilt, dass das Unternehmen beim Zwei-Kilo-Paket nur deshalb relativ günstig ist, weil die Sendung als Päckchen angenommen wird. Päckchen sind jedoch nicht automatisch versichert. Erst Pakete mit mehr als zwei Kilo genießen auch bei der Post unaufgefordert Versicherungsschutz bis zu 500 Euro. Auch eine Sendungsverfolgung ist bei der Post erst ab Paketgröße selbstverständlich. Die Konkurrenten hingegen verfolgen auch kleinere Päckchen während des Transports. „Ich gehe trotzdem zur Post“, sagt Ursula Rebe. Die Rentnerin verschickt schon im November erste Weihnachtspakete. „Die kamen bisher immer an.“

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