Berlin : Jetzt greift Merkel in der Berliner CDU ein

Parteichefin zitierte den Landesvorsitzenden Joachim Zeller zum Rapport. Wieder kursieren neue Gerüchte

Sabine Beikler

Kaum ein Tag vergeht ohne eine neue Hiobsbotschaft aus der Berliner CDU. Jetzt hat sich Unionschefin Angela Merkel dem unruhigen Treiben des Landesverbandes angenommen und Berlins Landeschef Joachim Zeller am vergangenen Dienstag zum Gespräch ins Konrad-Adenauer-Haus zitiert. Einen entsprechenden Artikel im „Spiegel“ bestätigte am Sonntag ein Sprecher der Bundes- CDU. „Es hat sich um ein Routinegespräch gehandelt. Dabei wurde auch über die Zusammenarbeit der Bundes-CDU mit dem Landesverband während des Wahlkampfes gesprochen.“

Von einem Krisengespräch ist offiziell zwar keine Rede. Doch intern spricht man auf Bundesebene nach immer wieder neu gestreuten Gerüchten und Ränkespielen aus der Berliner Union inzwischen von einem „Klatschverein“. CDU-Landeschef Joachim Zeller war am Sonntag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der Landeschef will sich am 28. Mai auf dem Landesparteitag zum Landesvorsitzenden wählen lassen. Doch seine erneute Kandidatur wird in seiner Partei nicht uneingeschränkt begrüßt: Schon werden neue Spekulationen über mögliche Gegenkandidaten gestreut. So wird der Ex-CDU-Verteidigungsminister und langjährige Bundestagsabgeordnete Rupert Scholz ins Gespräch gebracht. Angeblich soll sein Name in einem Gesprächskreis ehemaliger CDU-Senatoren gefallen sein. Bestätigt wird das offiziell von niemandem. Und auch aus dem engen Umfeld von Rupert Scholz ist zu hören, dass eine Kandidatur „nicht vorstellbar“ sei. Scholz selbst hält zurzeit Gastvorlesungen über Verfassungsrecht in Japan und ist nicht erreichbar.

Auch wenn einflussreiche CDU-Politiker wie Ingo Schmitt, Vorsitzender des Kreisverbandes Charlottenburg-Wilmersdorf, dieses jüngste Gerücht als „absolute Luftnummer“ abtun: Aus vollstem Herzen will dann doch niemand dem Landesvorsitzenden Zeller den Rücken stärken. „Erst wählen wir unsere Kreisvorstände, dann sprechen wir über mögliche Kandidaturen. Alles zu seiner Zeit“, heißt es unisono. Diese Meinung vertritt auch der CDU-Abgeordnete Kurt Wansner, der am Sonnabend erneut zum Vorsitzenden im 600 Mitglieder starken Kreisverband Friedrichshain-Kreuzberg gewählt wurde. „Ich finde es absolut ärgerlich, wenn jetzt über den Landesvorsitz spekuliert wird.“ Es gebe genug Themen, über die sich die Auseinandersetzung in seiner Partei lohnen würde wie zum Beispiel die Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit in der Stadt.

Auch Michael Braun, der Mitte April Chef der Steglitz-Zehlendorfer CDU werden will, hält nichts von Spekulationen über einen Gegenkandidaten für Zeller. „Ich kenne keinen, der sich um den Posten bemüht.“ Er findet solche „Aufgeregtheiten“ in der Partei kontraproduktiv. „Unser Ziel muss Geschlossenheit sein.“

Und passend dazu werden wieder einmal neue potenzielle Spitzenkandidaten für die Berliner CDU aus dem Ärmel geschüttelt. Nach dem inzwischen zurückgetretenen Generalsekretär Laurenz Meyer heißen die neuen „Kandidatinnen“ Annette Schavan, die baden-württembergische Kultusministerin, und die niedersächsische Familienministerin Ursula von der Leyen. Bei diesen Namen hört man auf CDU-Bundesebene nur Gelächter: Erstens seien beide Politikerinnen durchaus auch auf Bundesebene ministrabel, und zweitens wären die Damen wohl mit dem „Klammerbeutel gepudert“, in ein solches Wespennest wie den Berliner Landesverband zu stoßen.

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