Berlin : Jetzt Pflicht: Neue Spiegel für alte Lkw

Vor vier Jahren starb der neunjährige Dersu. Ein Lkw-Fahrer hatte den Jungen beim Rechtsabbiegen überrollt. Daran erinnerten gestern 48 Bekannte von Dersu. Sie forderten: „Weg mit dem toten Winkel!“ Dieses Anliegen hatte auch einen aktuellen Adressaten: den Bundesrat. Er trat gestern zusammen, um einer Verordnung zuzustimmen, mit der EU-Recht umgesetzt wird: Jetzt müssen auch ab 1. Januar 2000 zugelassene Lkw mit verbesserten Spiegeln nachgerüstet werden. So soll das Risiko vermindert werden, dass die Brummi-Fahrer Fußgänger oder Radfahrer übersehen. Neue Lkw über 3,5 Tonnen müssen nach einer EU-Richtlinie bereits seit Januar 2007 mit dem Spiegel ausgerüstet sein.

Doch die Verordnung ging den Demonstranten nicht weit genug. Es gebe technische Lösungen, die den toten Winkel des Lkw-Fahrers fast ganz beseitigten, sagte Organisator Martin Keune. Die Verordnung fordere aber nur einen „Minimalkonsens, der den toten Winkel gerademal halbiert“, sagte er. „Da passt theoretisch immer noch eine ganze Schulklasse rein.“

Der Fahrradbeauftragte des Berliner Senats, Benno Koch, sieht in der Verordnung zwar einen wichtigen Schritt, teilt aber die Kritik der Demonstranten: „Ohne Not macht der Gesetzgeber hier nur halbe Sachen.“ Der Dobli-Spiegel etwa sei besser und preiswerter. „Hier spielen offenbar Marktinteressen eine Rolle“, sagte er. Außerdem blieben die älteren, vor 2000 zugelassen Lkw ein Problem.

Der Dobli-Spiegel, der als zusätzlicher Außenspiegel vor der Frontscheibe montiert wird, ist in den Niederlanden erfunden worden. Das Gros der Fahrzeuge von BVG und BSR ist mittlerweile mit diesem Spiegel ausgerüstet. 2005 war eine Bundesratsinitiative zur Einführung solcher Spiegel gescheitert.

Im Jahr 2006 kamen laut Unfallstatistik 128 Personen durch rechts abbiegende Lkw zu Schaden, drei starben. 2007 gab es 150 solcher Unfälle mit fünf Toten. Erst am vergangenen Mittwoch wurde erneut eine Radfahrerin von einem rechts abbiegenden Lkw überfahren.höh/obs

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