• Jetzt sind auch die einstigen Umzugsgegner „richtig für Berlin“ Der Vertreter Rheinland-Pfalz’ lädt in Weinkeller und Dachgarten

Berlin : Jetzt sind auch die einstigen Umzugsgegner „richtig für Berlin“ Der Vertreter Rheinland-Pfalz’ lädt in Weinkeller und Dachgarten

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Von Hermann Rudolph

Er steht auf seines Daches Zinnen und schaut mit vergnügten Sinnen – auf Berlin. Damit wollen wir es genug sein lassen mit der Parallele zwischen Karl-Heinz Klär, dem Bevollmächtigten des Landes Rheinland-Pfalz, und König Polykrates aus Schillers Ballade und es einfacher sagen: seine Landesvertretung hat einen Dachgarten. Den großartigen Blick auf Brandenburger Tor und Reichstagskuppel teilt sie mit ihren Nachbarn in den Ministergärten. Aber nur sie genießt dazu den Himmel über Berlin und fast eine ganze Dachfläche voller Ausblicke und Eindrücke, vom Bundesrat im Süden bis zum Tiergarten im Westen – ein Pleasure Ground in lichter Höhe. Von hier aus sagt es sich mit besonderer Überzeugungskraft, dass Rheinland-Pfalz unter den Landesvertretungen – wie Klär meint –, „eigentlich den schönsten Platz hat“.

Ein kleiner Ausgleich dafür, dass der Umzug nach Berlin für die Rheinland-Pfälzer eine besondere Umstellung bedeutete? In Bonn war ihre Landesvertretung privilegiert, denn das Land beginnt gleich hinter der Stadt. Die Bonn-Nähe gab Rheinland-Pfalz ein besonderes Renommee – dass das Land zu den Gegnern des Hauptstadt-Beschlusses gehörte, verstand sich von selbst. Nun, in Berlin, ist Rheinland-Pfalz weit weg. Doch keine Trauer über Bonn. „Was glauben Sie, wie gern die Leute nach Berlin kommen“, sagt Klär. Nachdem der Umzug schon fast Geschichte ist, sind die Rheinland-Pfälzer „richtig für Berlin, das kann man nicht anders sagen“.

Andererseits ist es auch nicht ganz leicht, den Berlinern das Land nahezubringen, das sich da irgendwo im Südwesten um Rhein, Mosel und Nahe schlingt. Doch für einschlägige Nachhilfen ist die Landesvertretung ja da. Zum Beispiel zählt eine Broschüre auf, was für Berliner Berühmtheiten aus Rheinland-Pfalz stammen. Bei Carl Zuckmayer, dem Autoren des „lustigen Weinbergs“, einem der großen Theatererfolge der Zwanziger Jahre, hat man davon vielleicht noch eine Ahnung. Aber wer weiß es vom Freiherrn vom Stein, dem preußischen Reformer, von Adlon-Gründer Lorenz Adlon, dem Physik-Nobelpreisträger Max von Laue oder dem Erbauer des Reichstags, Paul Wallot?

Natürlich ist es ein kleiner Trick, sie für Rheinland-Pfalz in Anspruch zu nehmen; das wurde erst 1947 gegründet. Wo heute das kleine Bindestrich-Land liegt, war damals die preußische Rheinprovinz, die bayerische Pfalz, ein Stückchen Hessen. Doch der Hinweis darauf ist Klär ganz recht. Denn er möchte nicht allein für das „Land von Rhein und Reben“ Interesse wecken – über dieses Stereotyp von Rheinland-Pfalz „sind wir herausgewachsen“ –, sondern für eine Kultur- und Geschichtslandschaft mit eigenem Profil. Vielleicht auch für ein anderes, südlich-westliches Deutschland? Das Land steht ja auch für die Römer in Trier, das alte Kernland des Reiches mit den Salierdomen in Speyer und Worms, das deutsch- französische Mit- und Gegeneinander.

„Inzwischen repräsentiert Rheinland-Pfalz“, sagt Klär, der aus dem Saarland stammt, aber seit über dreißig Jahren Bonner ist, „in der Bundesrepublik vielleicht das Linksrheinische, einschließlich der Nähe zu Frankreich und Brüssel“. Es passt dazu, dass Klär die andere Hälfte seiner Zeit damit verbringt, als Mitglied des Ausschusses der Regionen in Europa unterwegs zu sein.

Die Vertretung ist übrigens ein Bau in der Tradition der klassischen Moderne, klar, hell und transparent. Überall gibt es Durchblicke, und vom Eingang her – wo eine halb abstrakte „Figur für Berlin“ die Besucher begrüßt – sieht man durch das ganze Haus hindurch auf Brandenburger Tor und Reichstag. Selbst der Weinkeller, unentbehrlich für das Weinland Nr. 1 in Deutschland, verzichtet auf die übliche Balken-und Butzenscheiben-Romantik, und die Schatzkammer mit den bedeutenden Kreszenzen des Landes bietet sich in hellem Holz dar.

Auch in das Schaufenster, das die Vertretung für Rheinland-Pfalz sein möchte, stellt das Land gerne zeitgemäße Exponate. Die Parade-Veranstaltung ist der „Rückblick“, die Präsentation der Ergebnisse des jährlichen Wettbewerbs der Bildjournalisten und Karikaturisten. Klär, dem gelernten Verlags-Lektor, der einst Reden für Willy Brandt schrieb, liegt auch daran, dass die Vertretung sich nicht als südwestdeutsche Enklave auf berlinisch-ostdeutschem Boden darstellt – eben erst las in der Vertretung Christa Wolf. Dass das Landsmannschaftliche nicht zu kurz kommt, dafür sorgt schon der Charakter der Rheinland-Pfälzer. Das hat die Republik an Kohl studieren können, dessen Bild in der Reihe der Landesväter im Haus hängt. Aber genauso gut gilt das für Kurt Beck, den gegenwärtigen Ministerpräsidenten: Er muss nur den Mund auftun, damit das Land um Mainz, die Pfalz und die Weinstraße herum deftig-kräftig im Raume steht.

Dazu gehört auch, glaubt man Karl-Heinz Klär, gut zu trinken und zu essen. Was sein muss, muss sein. Den Koch der Vertretung hat er bei einem Renommier-Hotel abgeworben und nochmal in die Nachbarschaft geschickt – ins Adlon. Nun wissen wir: alte rheinland-pfälzisch-Berliner Beziehungen.

SERIE (14): LÄNDERVERTRETUNGEN IN BERLIN

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