Berlin : Jetzt soll Gras über die „Luise“ wachsen

Nach dem Abriss der Plattenbauten entsteht dort eine Grünanlage – doch mittelfristig will der Bund die Fläche bebauen

Till Schröder

Nachdem die letzten drei Mieter des Plattenbaus an der Luisenstraße zum Auszug bereit sind, soll buchstäblich Gras über die Sache wachsen. Bund und Senat hatten schon 1997 beschlossen, den Plattenbau abreißen zu lassen. An dessen Stelle soll eine Grünanlage entstehen – als Abschluss des „Band des Bundes“, das im Konzept des Architekten Axel Schultes Ost und West verbinden soll. Die entstehende große Wiese an der Luisenstraße wird allerdings nur eine vorübergehende Lösung sein.

„Sicher ist, dass man eines Tages diesen Bereich als Erweiterung braucht“, sagt die Bundestagsabgeordnete Franziska Eichstädt-Bohlig, bau- und wohnungspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Grünen. „Es war immer im Gespräch, das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus um einen weiteren Block zu erweitern.“ Die Räume könnten dem Archiv, dem wissenschaftlichen Dienst und der Parlamentsbibliothek zugute kommen, die ab Dezember Teile des fast fertiggestellten Marie-Elisabeth-Lüders bezieht. „Die Diskussion über die Zukunft der Erweiterung wird aber frühestens in einem Jahr beginnen“, sagt Eichstädt-Bohlig.

Für den Umzug ins Marie-Elisabeth-Lüders-Haus müssen die Lastwagen noch über den Schiffbauerdamm in den Tunnel in der Nordallee unter das Bundestagsgebäude fahren. Die Nordallee endet als Stichstraße am Plattenbau. Nach dessen Abriss soll der Tunnel zum unterirdischen „Erschließungssytem“ auch von der Luisenstraße erreichbar sein.

Bevor allerdings die europaweite Ausschreibung für den Abriss des Plattenbaus beginnen kann, muss noch der Bezirk Mitte dem Abrissantrag zustimmen. Die Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK), die die Abrissplanung betreibt, rechnet damit, dass die ersten Abbruchbagger spätestens Mitte Dezember anrollen. Die Kosten für den Abriss schätzt die DSK auf etwa eine Million Euro.

Nicht sechs Millionen Euro, wie verschiedentlich gemeldet, sondern nur etwas mehr als 600000 Euro will die Oberfinanzdirektion (OFD) für die „Freisetzung“ des Plattenbaus bezahlt haben. Rund 77 Euro pro Quadratmeter erhielt jeder ausziehende Mieter als Ausgleich für höhere Mieten, plus Abstandszahlungen. Alle genossen die gleichen Leistungen. „Insofern haben sich die Klagen der letzten drei Mieter nicht gelohnt“, sagt OFD-Sprecher Helmut John.

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