Berlin : Jetzt sollen Klamotten auch noch was erzählen

Schnitt und Stoff reichen nicht mehr. Auf den Modemessen an diesem Wochenende gibt es zu Kleidungsstücken auch Geschichten

Grit Thönnissen

Violinklänge statt Hiphop: Es hat sich was verändert auf der Modemesse Bread & Butter, das kann man sogar hören. In der Halle K 18 streichelt klassische Musik die Ohren von Jeansträgern, die ihre blauen Hosen an die Einkäufer bringen wollen. Sie sitzen auf ledergepolsterten Sesseln, die Spiegel an den Wänden haben goldene Rahmen. Immerhin handeln sie mit edlen Produkten: Schlicht sind die meisten Jeans, immer noch schmal geschnitten und ganz schön teuer: Unter 150 Euro geht gar nichts.

Wichtig sind Jeans auf der Bread & Butter also immer noch, gewandelt hat sich das Drumherum. Nicht mehr Turnschuhe und Sweatshirts – also Sport- und Streetwear – spielen im ehemaligen Siemens-Kabelwerk in Spandau die Hauptrolle, die Kleidung der 425 Aussteller ist eleganter und modischer geworden. Auch der Sportartikelhersteller Nike zeigt Produkte, die nur eines sein wollen: modisch. Wie die Night & Day-Jacke: Von der gibt es zwei Modelle, eins ist mit dem Motiv des Firmaments bedruckt, das andere mit dem eines Wolkenhimmels. Mit einem Reißverschluss lässt sich die Jacke zweiteilen. So kann man auf einer Seite den Nacht- und auf der anderen den Tagdruck tragen. Kein Zweifel, da hat sich jemand Gedanken gemacht. Und der Sprecherin von Nike macht es Spaß, die Geschichte dazu zu erzählen. Denn das mit dem Geschichtenerzählen ist ganz groß in Mode. An fast jedem Stand kann man Sätze hören, wie jene: „Dazu gibt es folgendes zu erzählen.“ Es reicht nicht mehr, ein gutes Produkt zu machen: Es muss mit Leben gefüllt werden.

Neben einem Erzähltalent sollten Modeleute noch eine weitere Fähigkeit mitbringen: Ausdauer. Schließlich haben viele Aussteller schon eine Woche vorher die inzwischen sehr viel größere Schwesterveranstaltung in Barcelona mitgemacht. „Barcelona ist eine richtig heiße Trendshow, hier in Berlin werden Geschäfte gemacht“, sagt Iris Sutter von der Schuhmarke Camper. Über diese Aussage dürften sich die vielen jungen Designerlabel freuen, die noch bis Sonntag auch auf der Modemesse Premium, der kleinen Veranstaltung „Spirit of Fashion“ und in den vielen Showrooms ihre Kollektionen zeigen.

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