Berlin : Jetzt teilen die Behörden aus

Nach der Massenschlägerei auf dem Autohof soll das Gelände strenger überwacht werden

Christoph Stollowsky

Auch am Tag danach ist die Polizei unübersehbar präsent. Zwanzig Beamte stehen am Sonnabendmittag Spalier an einer engen Zufahrt, die vom Tempelhofer Weg zu Autos mit geborstenen Scheiben und verbeulten Kotflügeln führt. Die Wagen wurden durch Steinwürfe und Fußtritte zerstört. Denn auf diesem Gelände von fünfzig libanesischen und palästinensischen Gebrauchtwagenhändlern gab es am Freitag eine Massenschlägerei. Wie berichtet gingen 150 Männer beider Nationalitäten aufeinander los: ein Gewaltausbruch nach einer Reihe von Ärgernissen. Anwohner beklagen sich seit langem über Lärm, blockierte Parkstreifen und eine „bedrohliche Szene“ vor ihrer Haustür.

Nun lassen auch die Bezirkspolitiker in diesem Grenzgebiet zwischen Neukölln und Tempelhof-Schöneberg ihre Muskeln spielen. Zugleich sehen sie aber wenig Chancen, wirksam durchzugreifen. „Hier hat sich eine Subkultur gebildet, unsere Waffen sind stumpf“, sagt der Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD). Der Ordnungsstadtrat für Tempelhof-Schöneberg, Oliver Schworck (SPD), hat sich vorgenommen, mit den Eigentümern des Platzes „ein ernstes Wort“ zu reden.

Der Anlass für die Massenschlägerei war nach Auskunft von Augenzeugen ein „täglicher Zwist an der schmalen Geländezufahrt“. Am Tag zuvor hatte ein Sattelschlepper Gebrauchtautos aus Italien angeliefert und dazu am Tempelhofer Weg geparkt. Von dort wurden die Autos zu den Parzellen der libanesischen Händler gefahren, die sie bestellt hatten. Dadurch fühlten sich Palästinenser blockiert, die den Platz verlassen wollten. Es gab Zank – tags darauf kamen die Palästinenser mit einem ganzen Angriffstrupp zurück.

Nach Einschätzung der Polizei wirft der Streit ein Schlaglicht auf die „Spannungen, die zwischen den Händlern auf dem Platz herrschen“. Denn die Konkurrenz ist hart. Berlin ist eine europäische Drehscheibe für den Handel mit Altautos. Diese werden zu Tausenden meist aus Italien und Dänemark nach Berlin importiert und von mehreren unwirtlichen Gewerbegebieten in der Nähe des Teltowkanals nach Osteuropa weiterverschoben. Zuvor würden die Kilometerstände der Tachometer zurückgestellt, um den Profit zu vergrößern, sagen Szenekenner.

Ärger gibt es auf all diesen Privatgeländen am Tempelhofer Damm sowie an der Teile- und Germaniastraße. Das Areal, auf dem es jetzt zur Keilerei kam, gehört laut Stadtrat Schworck der Firma Thyssen-Krupp. Die Besitzer hätten es an einen Hauptpächter vergeben, der es an die vielen Zwischenhändler weiterverpachtet. Diese sind meist arabischer Herkunft.

Ihre Parzellen mit den Bürocontainern haben sie mit Zäunen abgesteckt. Die bestellten Autos werden aus Platzmangel aber am Tempelhofer Weg und in Nachbarstraßen abgestellt, teils verkehrsbehindernd in der zweiten Reihe, teils ohne Kennzeichen – und sie werden rund um die Uhr lärmend ab- und aufgeladen, was Anwohnern den Schlaf raubt. Beschwert sich jemand, sieht er sich „kräftigen Kerlen in wattierten Jacken“ gegenüber, erzählen Nachbarn. Die Ordnungsämter seien zwar oft zur Stelle, aber Bußgelder würden die Händler „lächelnd aus der Portokasse bezahlen“. Kaum sei die Behörde weg, gehe der Betrieb „munter weiter“.

Bürgermeister Buschkowsky bestätigt „das Katz-und-Maus-Spiel“. Wegen der geahndeten Vergehen könne man auch keinem Händler die Gewerbeerlaubnis entziehen. Und Polizeieinsätze gegen die verbreitete Schwarzarbeit auf dem Gelände „verpufften“, sagen Szenekenner. „Wer als Hartz-IV-Empfänger kontrolliert wird, redet sich raus, er habe nur mal den Wagen weggefahren.“ Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg will nun versuchen, die Hauptpächter und Eigentümer der Plätze unter Druck setzen. Stadtrat Schworck: „Wir fordern, dass sie auf ihrem Areal endlich Abstellflächen und Plätze zum Be- und Entladen einrichten.“

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