Berlin : Jetzt trifft die CDU Töpfer doch früher

Am Dienstag redet die Führung mit ihm über eine mögliche Spitzenkandidatur

Sabine Beikler

Die Berliner CDU wird nach Informationen des Tagesspiegel am morgigen Dienstag mit Klaus Töpfer sprechen. Töpfer, der als Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahlen 2006 im Gespräch ist, wird in Berlin anlässlich der Eröffnung der Hertie School of Governance einen Festvortrag halten. Wie aus der CDU-Parteispitze verlautete, werden nach dem Festakt unter anderem CDU-Landeschef Ingo Schmitt, Generalsekretär Frank Henkel und Monika Grütters, Spitzenkandidatin der Hauptstadt-Union für den Bundestag, an dem Treffen teilnehmen. Offenbar sollen auch Vertreter der Bundespartei bei dem Gespräch dabei sein: Eine weitere Peinlichkeit wie der Umgang der Berliner CDU mit Wolfgang Schäuble als potenziellen Spitzenkandidaten vor vier Jahren will die Parteiführung auf jeden Fall verhindern.

Noch vor wenigen Tagen hatte der CDU-Landesvorsitzende Ingo Schmitt erklärt, ein Gespräch werde erst nach der Wahl stattfinden. Der Zeitplan war aber nicht zu halten. Denn Töpfer, derzeit noch Exekutiv-Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen Unep in Nairobi, hat im „Spiegel“ seinen vorsichtigen Rückzug angedeutet. „Ich kann mir sehr gut ein Leben ohne deutsche Parteipolitik vorstellen“, sagte der 67-Jährige dem Magazin. Er hatte bereits eine Verlängerung der Amtszeit ausgeschlossen.

Die Berliner CDU steht jetzt unter Druck: „Töpfer ist eine ganz heiße Option als Spitzenkandidat“, sagte ein hochrangiger Berliner CDU-Politiker. Nach der Bundes-CDU will jetzt nämlich auch die Mehrheit der Berliner CDU eine externe Lösung. Aus zwei Gründen: Erstens hat sie selbst nicht das geeignete Personal. Zweitens will man mit einer Wahl von außen parteiinterne Scharmützel möglichst klein halten. Eine „große Lösung“ mit Schäuble, den Angela Merkel vor vier Jahren gern als Berliner Spitzenkandidaten gesehen hätte, verhinderten damals die CDU-Bezirksfunktionäre: Frank Steffel wurde – wenn auch erfolgloser – Spitzenkandidat. Externe Lösungen sind in Teilen der CDU aber auch heute noch umstritten. Gezielt brachten Gegner im März die Namen von Laurenz Meyer, Annette Schavan oder Ursula von der Leyen ins Gespräch: Danach waren diese „verbrannt“.

Dass sich die Berliner CDU 2006 wieder einmal um einen starken Kandidaten bringen könnte, will die Bundesspitze auf jeden Fall verhindern. Eigentlich wollte die Hauptstadt-Union erst im Januar ihren Spitzenkandidaten präsentieren. Nach Verkündung der Neuwahlen hieß es dann, frühestens „nach den Wahlen“ einen Anwärter zu benennen. Das war auch im Sinne von Merkel, die erst den Wahlkampf hinter sich bringen wollte. Doch Klaus Töpfer macht einen Strich durch diese Rechnung. „Wir müssen ihn jetzt bitten“, heißt es aus der Berliner Parteispitze.

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