Berlin : Jetzt werden auch Besitzer von Springmessern angezeigt

Polizei macht ernst: Schonfrist für Inhaber illegaler Waffen vorbei

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Die Polizei will jetzt noch schärfer gegen illegalen Waffenbesitz vorgehen. Wer sich mit einem Butterfly oder Springmesser erwischen lässt, wird wegen illegalen Waffenbesitzes angezeigt. Die FDP-Fraktion fordert eine Waffen-Sammelaktion, die sich vor allem an Jugendliche richten müsse. Sie sollten Waffen anonym und straffrei abgeben können und dafür Prämien erhalten.

Messer mit einer Klingenlänge von unter 8,5 Zentimetern wie auch asiatische Wurfsterne sind zwar schon seit dem 1. April verboten. Die Eigentümer konnten sie aber bis Ende August bei der Polizei abgeben und vernichten lassen, ohne bestraft zu werden. Nur wenige nutzten bis heute diese Möglichkeit. Lediglich 100 dieser verbotenen Waffen – 45 Wurfsterne, 33 Butterfly- und 4 Faustmesser sowie 18 Springmesser – wurden abgegeben, sagte der Leiter der Waffenbehörde, Hans-Günter Lieser: „Das sind sehr wenig“.

Lieser vermutet, dass von solchen Waffen noch viele irgendwo in Schubladen und Schränken liegen. Der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion Alexander Ritzmann fordert eine Waffen-Sammelaktion. Jugendliche ließen sich am ehesten dazu hinreißen, ein Springmesser im Streit zu gebrauchen. Das zeige sich an der steigenden Zahl von Gewaltdelikten. Weil aber gerade Jugendliche und Heranwachsende sich schwer damit täten, eine illegale Waffe bei der Polizei abzugeben, sollten sie es anonym und straffrei tun können. Die Polizei könne dazu einen Außendienst in Sportvereinen und Jugendzentren einrichten. Mit Prämien wie Eintrittskarten für ein Fußballspiel oder für ein Konzert, könne die Einsicht belohnt werden.

Um diese Art der Waffenrückgabe langfristig möglich zu machen, muss das Waffengesetz geändert werden. Der Senat solle dazu eine Bundesratsinitiative ergreifen, fordert Ritzmann. Waffen, die auch schon vor der Novellierung des Bundeswaffengesetzes im Frühjahr verboten waren, können noch bis zum 30. September abgegeben werden. Darunter fallen Spring- und Fallmesser mit über 8,5 Zentimeter langer Klinge, Totschläger, Stahlruten und Schlagrohre.

Mit dem neuen Waffengesetz wurde im April auch der „Kleine Waffenschein“ für Schreckschuss- und Gaswaffen eingeführt. Davon gibt es nach Schätzungen der Polizei rund 250 000 in den Berliner Haushalten. Bisher haben aber erst etwa 3600 Eigentümer von Schreckschusswaffen ihre Revolver und Pistolen angemeldet. Auch das sind weniger als erwartet, sagt Lieser. Die Behörde hatte damit gerechnet, dass mindestens 10 Prozent, also 25 000 Waffenbesitzer, ihre Pistolen und Revolver registrieren lassen.

Manche nutzten die vom Gesetzgeber gewährte Schonfrist und gaben sogar bisher nicht angemeldete scharfe Waffen ab. Neben knapp 320 Gas- und Schreckschusswaffen wurden Lieser zufolge auch sieben echte Pistolen bei der Polizei abgeliefert. Es seien vorwiegend Frauen gewesen, die behaupteten, die Waffen im Nachlass ihrer Männer gefunden zu haben. weso/wvb.

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