Berlin : Jetzt wird es richtig glatt

Annette Kögel / Klaus Kurpjuweit

Überall Eis: auf dem Wasser - und auf dem Asphalt. Spiegelglatte Straßen nach Nieselregen prophezeiten die Meteorologen gestern für den heutigen Sonntag. "Zum Glück gibt es keinen Berufsverkehr, das könnte schlimm ausgehen", sagte Tanja Lamprecht vom Wetterdienst Meteofax. Freude übers Eis herrschte dagegen gestern auf den zugefrorenen Gewässern - vorm Betreten wird wegen der steigenden Temperaturen jetzt erst recht gewarnt.

Bereits in der Nacht zum Sonntag sollte eine feuchte Warmluftfront dem kalten, klaren Wetter den Garaus machen. Gestern aber freuten sich die Berliner noch über Bilderbuch-Winterwetter. Am Viktoria-Luise-Platz zwitscherten die Vögel wie im Frühling, im Tiergarten zelebrierten Schlittschuhläufer die Berliner Eiszeit auf dem Neuen See. Verliebte knutschten über dicke Schals hinweg, ein Pärchen schlidderte Samba tanzend übers Eis, alles lächelte - ein paar Sekunden Winterglück. Doch schon ist wieder Schluss mit den die Seele streichelnden Sonnenstrahlen, denn Wolken ziehen von Nordwesten heran, bringen Grau in Grau und Regen mit. Tagsüber werden wieder Plusgrade erwartet, doch der Boden ist noch gefroren - so sollen die Eisberge auf den Bürgersteigen nicht die einzige Stolperfalle bleiben. Die Wasserschutzpolizei warnt nun erst recht davor, aufs Eis zu gehen. Gestern waren die Schichten noch zwischen drei und zehn Zentimeter dick. Gefährlich sei es dort, wo es im See Quellen gebe, etwa am Schlachtensee. Aber auch dort tummelten sich gestern Unzählige auf dem Eise. Bis zum Nachmittag musste die Feuerwehr zu keinem Rettungseinsatz aufs Eis ausrücken. Auf den für den Schiffsverkehr wichtigen Gewässern hat das Eis sowieso kaum eine Chance. Auf der Spree, dem Westhafenkanal und dem Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal rissen Eisbrecher die gefrorene Schicht auf.

Selbst Radler schrecken Glätte und Kälte kaum: "Wir fahren auch im Winter" - unter diesem Motto treten die Grünen Radler heute vorm Roten Rathaus ab 14 Uhr dick vermummt in die Pedale - durchschnittlich werden zehn Prozent aller Fahrten in der Stadt mit dem Rad zurückgelegt. Die Kälte ließ gestern Früh bei sechs Bussen der BVG, die auf den Betriebshöfen standen, die Bremsen festfrieren, so dass die Fahrzeuge verspätet zum Einsatz kamen. Busse werden nicht mehr vorgeheizt, dafür gibt es bei der U-, der S- und der Straßenbahn inzwischen fast überall beheizte Weichen, und auch Fahrscheinautomaten haben eine Heizung - sie sollen bis minus 25 Grad funktionieren.

Probleme gibt es meist bei Wetterumschwüngen. Wenn es jetzt wieder wärmer wird, fallen nach Angaben der Polizei erfahrungsgemäß mehr Ampelanlagen aus als bei dauerhafter Kälte. Gestern machte etwa die Ampel Krumme Straße / Wilmersdorfer Straße schlapp. Auch die Wasserbetriebe rechnen bei starken Temperaturschwankungen mit drei Mal so viel Rohrbrüchen.

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