#jetztschreibenwir : Liebe gegen alle Hindernisse

Sara ist Christin, Mohammad Muslim. Beide sind ein Paar. Für ihren ersten Kuss bedurfte es eines Tricks.

Nastaran Nawras
Sara und Mohammed mussten schon etliche Barrieren überwinden.
Sara und Mohammed mussten schon etliche Barrieren überwinden.Foto: privat

Da wäre die Sache mit dem Schweinefleisch beim Kochen in der Küche – und die ist für beide so gar kein Problem. Auf Mohammads Speisekarte steht nämlich aus religiösen Gründen kein Schweinefleisch. Sara macht das nichts aus – sie selbst verzichtet seit früher Kindheit lieber auf Schnitzel und Wurst vom Schwein.

Wenn die Liebe zwischen zwei Menschen groß ist, spielen andere Faktoren eine Rolle als die offensichtlichen. Unterschiedliche Ernährungsvorlieben, die Kultur, die Rasse und auch die Religion sind nur nebensächlich.

Die Liebe von Sara und Mohammad überwindet Grenzen, beide wollen gemeinsam durchs Leben gehen. Mohammad ist Muslim und Sara Christin. Für beide spielt die unterschiedliche Religion keine Rolle. Sie sagen: „Wir haben den gleichen Gott!“

Seit Mai 2016 wohnt der 26-jährige Mohammad in Forst in der Lausitz, direkt an der polnischen Grenze. Er flüchtete vor dem Krieg in Syrien. Bei der „Creativity Group“ im Asylbewerberheim lernte er Sara kennen. Sie ist Studentin für Sozialarbeit und hat die Gruppe gegründet, um Flüchtlingen die Integration in Forst zu erleichtern. Zuerst waren beide nur Freunde, erzählt Mohammad, dann entwickelte sich Liebe. Und sie wissen genau, dass sie mit ihr alle Schwierigkeiten überwinden können. Doch nicht alle sehen das so.

Das Gerede der Leute ausblenden und das Herz einschalten

Mohammad erzählt: „Meine Eltern sagen: Wir sind Muslime und haben eine andere Kultur. Solltet ihr euch später trennen, dann bleiben die Kinder bei der Mutter und du bist wieder allein.“ Lange hat er mit seinen Eltern gesprochen, und auch mit Sara. „Sie versteht mich. Selbst wenn meine Eltern unsere Verbindung nicht akzeptiert hätten, wäre ich bei ihr geblieben. Aber zum Glück akzeptieren sie unsere Beziehung jetzt.“

Die 23-jährige Sara musste mit ähnlichen Vorurteilen ringen: „Bei mir war es so ähnlich, nur andersherum: Meine Eltern hatten auch sehr große Sorge. Sie sagten mir, dass es gefährlich für uns werden könnte. Wenn später Kinder kommen und wir uns trennen sollten, dann nehme der Vater die Kinder mit. Oder er benutzt dich, um in Deutschland bleiben zu können.“ Sara sieht das so: „Die Medien in Deutschland beeinflussen die Meinung über muslimische Männer besonders stark. Als ich gemerkt habe, dass ich mich in einen muslimischen Mann verliebt habe, dachte ich: ‚Oh nein! Die nächste Beziehungskatastrophe.‘ Mir schoss alles Mögliche durch den Kopf: Ob er nur schauspielert und irgendwann sein wahres Ich zeigt, ob er einen irgendwann einfach fallen lässt, wenn man nicht mehr gut genug ist, oder gar die Kinder verschleppt, ob ich selbst irgendwann konvertieren muss. Aber letztlich habe ich das Gerede der Leute ausgeblendet, meinen Kopf abgeschaltet und auf mein Herz gehört.“

Mohammeds Eltern wollen in Syrien bleiben - dennoch sollen sie Sara kennenlernen

Aber bis sich dann beide tatsächlich näherkamen, dauerte es noch ein wenig – und Mohammad musste in die Trickkiste greifen, erzählt Sara: „Wir waren beide anfangs sehr verlegen und wussten auch nicht wirklich mit der neuen Situation umzugehen. Den ersten Kuss hat er mir beim Tee in seinem kleinen Raum im Wohnheim mit einem Kartentrick entlockt, mit den Worten: ‚Wenn der Trick funktioniert, darf ich dich küssen.‘ Ich sagte okay, und natürlich funktionierte sein Trick wie geplant. Da war es dann geschehen.“

Mohammad kocht auch gern für seine Sara, seine Familie besaß vor dem Krieg zwei Restaurants, wo er viele Rezepte seiner Mutter erlernte. Mohammad hat gute Chancen, in Deutschland bleiben zu dürfen. Seine Eltern dagegen wollen nicht nach Deutschland kommen, sondern in Syrien bleiben, trotz Krieg. Sie wollen ihre Heimat nicht verlassen. Trotzdem will Mohammad, dass seine Eltern Sara kennenlernen. „Wenn der Krieg irgendwann ein Ende findet, wollen wir meine Familie in Syrien ab und an besuchen fahren“, sagt er.

"Wir haben von der ersten Sekunde an zusammengehalten"

Mohammad arbeitet als fachlicher Anleiter in einer Spielzeugwerkstatt und plant in Deutschland zu bleiben, um sich eine bessere und sichere Zukunft aufzubauen – und mit Sara eine Familie zu gründen.

Anfangs waren die Eltern besorgt über diese Beziehung. Aber jetzt freuen sie sich schon über die geplanten Enkel, die in beiden Religionen aufwachsen werden. „Unsere Kinder sollen selbst entscheiden können, welcher Religion sie angehören wollen“, sagt Sara, während Mohammad nickt. Am Wichtigsten ist ihnen, dass die Kinder gesund sind, da spielt die Religion für sie keine große Rolle. „Wir respektieren einander und wir werden auch die Wahl unserer Kinder respektieren.“ 

Natürlich gibt es immer mal wieder Meinungsverschiedenheiten, wie in jeder Beziehung, aber am Ende werden sie sich doch immer wieder einig. „Wir haben im vergangenen Jahr viele Dinge gemeinsam durchgestanden und bewältigt und sind in dieser kurzen Zeit vermutlich mehr Barrikaden begegnet als ein ganz gewöhnliches Paar. Aber wir haben von der ersten Sekunde an zusammengehalten, und das werden wir weiter, egal wie der Wind sich in Deutschland drehen wird.“

Die Autorin hat den Text selbst auf Deutsch verfasst.

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